Vorster Obstbauer setzt auf besondere Bewässerung

Vorster Obstbauer setzt auf besondere Bewässerung

Heiner Goetschkes versorgt seine Erdbeeren mit einem System, das er in Israel kennengelernt hat: tröpfchenweise wird bewässert.

Vorst. Derzeit haben Erdbeeren Hochsaison — noch bis Ende August wird Gärtner- und Obstbaumeister Heiner Goetschkes die vitaminreichen roten Früchtchen in Vorst ernten können. Auf einem abgeernteten Feld der Sorte Elsanta spähen dicke, glänzend grüne Blätter aus endlos langen grauen Folientunneln hervor. Solche Abdeckungen mögen Erdbeeren gern, denn die Folien ziehen Wärme an und speichern sie. „Erdbeeren lieben warme Füße“, sagt Heiner Goetschkes und lacht.

„330 Meter ist eine Reihe lang, davon wird jede Hälfte mit einem 165 langen Bewässerungsschlauch erreicht“, erklärt er. Denn seit rund zehn Jahren setzt der 52-Jährige auf eine besondere Tröpfchenbewässerung für seine Erdbeeren: Die Wasserschläuche liegen in den Foliendämmen und leiten Wasser und Nährstoffe direkt an die Wurzeln der Pflanzen.

Alle dreißig Zentimeter haben die Schläuche ein Loch — das Wasser fließt wie durch ein Labyrinth gleichmäßig überallhin. „Bis zu drei Liter pro Stunde“, sagt Heiner Goetschkes. Sogenannte Tensiometer messen ständig die Bodenfeuchte per Saugspannung, erklärt der Landwirt. So kann entschieden werden, ob der Boden zu trocken oder gut gesättigt ist.

Mehrmals täglich kleine Wasserschübe halten den Boden gleichmäßig feucht. Die genau eingesetzte Düngung kann nicht mehr ins Grundwasser gelangen, da durch die punktuell genaue Bewässerung ein Auswaschen verhindert wird. Bei Regen sickert natürlich ein bisschen Wasser von oben durch die Folien — aber das sind so geringe Mengen, dass sie nichts auswaschen können.

Eingesetzt wird ausschließlich Grundwasser, das von Brunnen und Bewegungspumpen zu den Schläuchen gelangt. Mit dieser speziellen Bewässerungstechnik hat Goetschkes nur gute Erfahrungen gemacht: „Die Früchte sind fester, haben einen besseren Geschmack und der kräftige Rotton zeugt von der richtigen Gabe von Wasser und Dünger“, erklärt der Fachmann.

Die Erdbeeren leiden nicht unter Pilzbefall oder Fäulnis und es werden weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Zudem dient die Tröpfchenbewässerung der Optimierung des Arbeitsmanagements: „Wann ich das Aggregat zur Bewässerung einstelle, spielt keine Rolle — das kann morgens oder abends sein“, sagt der Obstbauer.

Doch wie kommt ein Obstbauer aus Kaarst zu diesem ausgeklügelten System? Kennengelernt hat er es bei einer Israelreise, wo es von Obstbaumspezialisten vorgestellt und verfeinert wurde, erzählt Goetschkes.

Die abgeernteten Pflanzen bleiben während der kalten Jahreszeit über draußen, denn sie müssten wissen, dass Winter sei, erläutert Heiner Goetschkes. Nach zwei Jahren werde das Feld gerodet und mit anderen Kulturen bepflanzt. Die Folien können „sauber“ recycelt werden.

Übrigens — die Erdbeeren sind in Wahrheit gar keine Beeren. „Das ist eine Sammelnuss. Was wir Erdbeeren nennen, ist eigentlich das Fruchtfleisch um die Nuss herum“, sagt Heiner Goetschkes. Ob Beere oder Nuss — für den köstlichen Genuss ist die Bezeichnung wahrlich unwichtig. Was zählt, ist der Geschmack.

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