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Vor 20 Jahren schloss das Kaufhaus Horten in Neuss

Kaufhaus in Neuss : Mit Horten bekam Neuss erstmals Großstadt-Flair

Vor genau 20 Jahren schloss das Kaufhaus an der Oberstraße. Bei vielen ist es bis heute unvergessen.

Im Januar 1963 wurde ein kleines Mädchen geboren, das als 100 000. Einwohner begrüßt wurde und Neuss zur Großstadt machte. Doch „großstädtisch“ war die Stadt schon im Jahr zuvor geworden, als am 5. April 1962 an der Oberstraße das Kaufhaus „Merkur“ der Horten GmbH eröffnete, das ab 1969 auch unter Horten firmierte. Vor 20 Jahren schloss das Haus. Das Gebäude wurde einer Metamorphose unterzogen und beherbergt heute Landestheater, Kino und Kreishaus. Vor allem ältere Neusser gehen noch heute „zu Horten“ – wenn sie eigentlich zur Zulassungsstelle wollen.

NIB: „Keine Tendenz zu steigenden Mieten im Einzelhandel“

Entsprechend groß war die Resonanz, als das Stadtarchiv jetzt zum Stichtag auf seiner Facebook-Seite an die Horten-Schließung im Februar 1999 erinnerte. „Kaum ein Post geht auf unserer Seite steiler als Horten“, versichert Stadtarchivar Jens Metzdorf begeistert. Und die Kommentare bestätigen: „Horten“ ist Geschichte – aber immer noch eine Hausnummer.

Marita Müller postete das Bild einer Kunststofftüte von Horten, die sie seit 20 Jahren verwahrt, und Christian Kiel das Foto eines Steinkrugs aus dem „Feldlager 1992“ mit Horten-Signet. Die meisten aber wollten in der Kommentarspalte persönliche Erinnerungen loswerden, aus denen echte Wehmut spricht. „Ich war unten in der Parfümerie beschäftigt bis ich geheiratet habe“, schreibt Karin Dubotzky. Kirsten Schrooten erinnert sich, dass bei Horten immer der Familieneinkaufsbummel begann: „Es gab links neben dem Haupteingang leckere Pommes, und mein erstes Jugendzimmer stammt daher.“ Und Egbert Dederichs verbindet mit Horten die Spielzeugabteilung („Oberste Etage. Da gab es Matchboxautos für 1,20 DM“), für deren Besuch ein Autor mit dem Pseudonym „Glenn Coolozik“ sogar den „Kommunionsunterricht geschwänzt hat“.

Jürgen Kohlmann erinnert sich an die Unterführungen („mit Rolltreppe“), doch konnten die ebenso wenig wie der Omnibusbahnhof an der Brückstraße ändern, dass das Kaufhaus wie abgeschnitten vom Hauptstraßenzug war. Das bewies auch das gescheiterte Projekt „Tranktorpassage“, das der Bauverein im umgebauten Kaufhaus versuchte.

Das ist so bis heute. Die 1-A-Lage reduziert sich aus Sicht der in der Neusser Immobilienbörse zusammengeschlossenen Makler auf den Büchel, wo noch Mietpreise von durchschnittlich 45 Euro je Quadratmeter durchgesetzt werden können. „Wir waren aber schon bei 55 Euro“, sagt NIB-Sprecher Alexander Busch. Aktuelle Tendenz: stagnierend. „Es gibt keine Tendenz zu steigenden Mieten im Einzelhandel.“

Mit Horten verschwand nur das erste klassische Kaufhaus aus dem Stadtbild. Quelle (vorher: Kaiser und Gans), Josten und das „Kaufhaus Köhler“ folgten. Zurück blieb die Galeria Kaufhof als Frequenzbringer. Als „Merkur“ eröffnete, war das noch anders. Eine Attraktion, über die die Neusser schon Wochen vorher gesprochen haben, erinnert sich Stadtarchivar Metzdorf. Und das damals „modernste Kaufhaus Westdeutschlands“.