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Verkehr: Offensive gegen Temposünder

Verkehr: Offensive gegen Temposünder

Wegen steigender Unfallzahlen will die Kreispolizei ihre Kontrollen ausweiten.

Rhein-Kreis Neuss. Eberhard Gerads und sein Kollege Jürgen Zingelmann haben keinen leichten Job. Im strömenden Regen winken die Polizisten an der L 142 kurz vor dem Kloster Langwaden Temposünder aus dem Verkehr. Nicht jeder, der ins Visier ihrer Laserpistole gerät, zeigt sich einsichtig. Gerade Messungen an gut ausgebauten Straßen sorgen bei vielen Autofahrern für Unmut. „Wir machen das hier nicht, um die Leute zu ärgern, sondern um Unfälle zu vermeiden“, stellt Landrat und Polizeichef Hans-Jürgen Petrauschke am Dienstag vor Ort klar.

Anders als in den vergangenen Jahren steigt die Zahl der Verkehrstoten in NRW und auch im Rhein-Kreis Neuss wieder an. Einem Erlass des Landesinnenministeriums folgend, will auch die Kreispolizei ab sofort und dauerhaft durch verstärkte Kontrollen die Verkehrssicherheit erhöhen. „Es geht darum, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten zu reduzieren. Es ist nicht unsere Absicht, die Zahl der Knöllchen in die Höhe zu treiben“, sagt Gerhard Kropp, Leiter der Direktion Verkehr.

Petrauschke: „Viele Leute betrachten die Straßenverkehrsordnung als eine Art Empfehlung. Hier geht es um Höchst- und nicht um Mindestgeschwindigkeiten.“ Vor allem an Unfallschwerpunkten und auch nachts soll verstärkt kontrolliert werden. Dafür wird auch mehr Personal im Einsatz sein. Die geplanten Messungen sollen zudem veröffentlicht werden.

Im Rhein-Kreis Neuss starben in diesem Jahr bislang elf Menschen, darunter fünf Motorradfahrer. 2010 gab es acht Tote. 327 Menschen wurden 2011 schwer verletzt, im vergangenen Jahr waren es 275. Auch wenn bei vielen schweren Unfällen nicht immer überhöhte Geschwindigkeit die Ursache war, können schon 20 Stundenkilometer den Unterschied ausmachen, erklärt Kropp: „Ein Auto bei Tempo 30 steht schon an der Stelle, an der ein Fahrer bei Tempo 50 erst anfängt zu bremsen.“ Bei einer Geschwindigkeit von 65 km/h sterben statistisch gesehen acht von zehn Fußgängern, die von einem Auto angefahren werden — bei 50 km/h dagegen überleben acht.

Kropp verweist auch auf das Wetter als eine Ursache für den Anstieg der schweren Unfälle — im warmen Frühjahr waren mehr Menschen auf den Straßen unterwegs als im Vorjahr und es wurde mehr Motorrad und Rad gefahren.