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Übernahme von Energiekosten: Aufatmen im Rheinwerk

Übernahme von Energiekosten: Aufatmen im Rheinwerk

Größte Aluminiumhütte Deutschlands fährt Produktion wieder hoch.

Neuss. Oliver Bell vom Hydro-Konzernvorstand äußert sich dezent-zurückhaltend. Es habe etwas länger gedauert, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH, zu der auch das Rheinwerk gehört. Doch seit Donnerstag ist die Freude im Neusser Rheinwerk groß. Wie berichtet, bedeutet die endgültige Zusage der Kompensationsübernahme von Energiekosten durch die Bundesregierung die Gewissheit, dass die Produktion ab 1. Januar wieder hochgefahren werden kann.

Im so genannten magischen Dreieck steht das Rheinwerk in Neuss an erster Stelle: Hier wird das Roh-Aluminium in Walzbarren produziert, dann wird es im Nachbar-Unternehmen Alunorf geschmolzen, gewalzt und veredelt sowie im Walzwerk Grevenbroich noch weiter für den Endkunden bearbeitet.

Im Rheinwerk war die Produktion wegen der hohen Stromkosten nun geraume Zeit von einst mehr als 200 000 Jahrestonnen auf ein Viertel heruntergefahren. „Jetzt holen wir wieder die Arbeit nach Deutschland“, sagt Oliver Bell. Heißt: In den vergangenen fast vier Jahren wurde Aluminium vor allem aus Russland und den Golf-Staaten, aus Island oder Frankreich nach Neuss geholt, eingeschmolzen und für die Weiterverarbeitung bei Alunorf vorbereitet. Künftig werden nun wieder bis zu 150 000 Jahrestonnen vor Ort erzeugt. „Die Wertschöpfungskette bleibt erhalten“, betont der Konzernvorstand.

Ein solcher Verbund in der Aluminiumindustrie ist einmalig in Deutschland. Jetzt werde der Dreiklang von Hütte, Walzwerk und Veredelung an einem Standort im Ausland kopiert, sagt Bell — zum Beispiel in China.

Ohne die endgültige Zusage der Bundesregierung sei das Rheinwerk in Gefahr gewesen, daran lässt der Manager keinen Zweifel, und damit das magische Dreieck mit 5000 Arbeitsplätze insgesamt. Nun habe man „die Chance zum Atmen“, erklärt Bell. Strom für fünf Jahre ist bereits eingekauft. Im Jahr braucht das Rheinwerk zwei Terra-Watt und zahlt dafür etwa 100 Millionen Euro.