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Theater am Schlachthof: Auf der Suche nach Identität

Theater am Schlachthof: Auf der Suche nach Identität

Im Theater am Schlachthof kommt Ad de Bonts „Haram“ in der Inszenierung von Remo Hofer auf die Bühne.

Neuss. Es ist ein sensibles Thema, dessen sich das Jugendtheaterstück „Haram“ von Ad de Bont annimmt, und ein wichtiges. Es geht um Jugendliche, die aufgrund ihrer Herkunft in zwei Welten leben, es geht um Migration und Integration. Am Sonntag, 18 Uhr, feiert die Inszenierung Premiere im Theater am Schlachthof (TAS).

„Der Text des Stücks ist ein Geschenk für einen Regisseur“, sagt Remo Hofer. Der Regisseur wollte es schon lange für das TAS umsetzen. „Meine Inszenierung beruht vor allem auf Schlichtheit. Das betrifft nicht nur das Spiel, sondern auch die Ausstattung und die Bebilderung. Ich will die gängigen Vorurteile nicht auch noch unterstützen“, sagt er.

In „Haram“ geht es um die Geschwister Aziza, Houari und Said, die in Holland leben. Ihre Eltern kommen aus Marokko. Weil Cousine Fatma „Schande“ über die Familie gebracht hat, entscheiden die Eltern nach einem gemeinsamen Sommerurlaub, dass die Kinder nun in Marokko leben sollen, um dort nach islamischer Tradition erzogen zu werden. Die Kinder sind verzweifelt und reißen aus. Es kommt fast zu einer Katastrophe, die Familie droht zu zerbrechen.

„Es kommt aber nur beinahe zur Katastrophe. Am Ende steht der Konsens. Somit zeigt das Stück auch Hoffnung und Lösungswege auf“, sagt Hofer. Fast alle Figuren arbeiteten auf eine konstruktive Lösung hin. „’Haram’ ist eine Geschichte, mit der sich jeder identifizieren kann.

Sie ist nachvollziehbar und erzeugt ein Nachdenken über das Problem statt eines Abblockens“, sagt Markus Andrea, Künstlerischer Leiter des TAS. Das Thema sei Teil unserer gesellschaftlichen Realität.

Gespielt wird „Haram“ von den Schauspielern Janina Burgmer, Jürgen Knittl und Halil Yavuz. Während der Vorstellung wechseln sie die Rollen und sind mal Kind, mal Erwachsener, mal Mann, mal Frau. „Es ist eine Art Spiel im Spiel“, erklärt Hofer. Er macht auch deutlich, dass „Haram“ kein Stück zum entspannten Zurücklehnen ist: „Es hat schon einen gewissen Anspruch an die Phantasie und das Sehvermögen der Zuschauer.“

Das Stück ist auch von Schulen zu buchen. Entweder kommen die Schauspieler in die Schule, oder die Schüler (ab 12 Jahre) besuchen eine Vormittags-Vorstellung.

Infos: www.tas-neuss.de