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Sturmschäden: „Stadt hat Schuld“

Sturmschäden: „Stadt hat Schuld“

Während des Orkans prallte eine Kiefer auf das Haus von Karl-Heinz Bindseil. Er machte mehrmals auf die Gefahr aufmerksam.

Grevenbroich. Sein Haus, das an der Straße „Auf dem Pesch“ steht, hat Karl-Heinz Bindseil jahrelang eigenhändig und mit viel Herzblut auf Vordermann gebracht. Der 55-Jährige hat sich ein schickes und zugleich gemütliches Heim eingerichtet. Doch jetzt musste der Frimmersdorfer einen herben Rückschlag hinnehmen. Eine große Kiefer, die auf einem städtischen Grundstück an der Erftstraße stand, prallte in sein Dach und verursachte sichbare Schäden am und im Haus. „Das hätte erst gar nicht passieren dürfen“, sagt Bindseil. „Denn schon seit zehn Jahren habe ich die Stadt immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die beiden großen Bäume vor meinem Haus eine Gefahr bedeuten.“ Vergeblich.

Sturmschäden: „Stadt hat Schuld“

In der vergangenen Woche ist es dann passiert. Der Orkan „Friederike“ drückte eine der Kiefern an die Wand eines Nachbarhauses, so dass sie vom Grünflächenamt gefällt werden musste. „Das ist aber unsachgemäß geschehen“, ärgert sich Bindseil. Denn bei dieser Aktion habe sich der schwere Baum gedreht, so dass er auf das Flachdach seines Hauses gefallen ist. Dabei seien nicht nur Löcher im Dach entstanden, sondern auch lange und breite Risse im Inneren.

Sturmschäden: „Stadt hat Schuld“
Foto: von

Karl-Heinz Bindseil, Hauseigentümer

Wie hoch der entstandene Sachschaden ausfällt, ist unbekannt. „Das ist alles noch völlig unüberschaubar“, sagt Bindseil. „Das Haus ist jetzt erst einmal ein Fall für einen Statiker.“ Das Dach hat der 55-Jährige rasch notdürftig flicken lassen, um weiteren Schaden am Eigenheim zu verhindern.

Schon 1995 habe er die Stadtverwaltung darum gebeten, die Kiefern im Auge zu behalten, damit sie nicht zu hoch werden, schildert Bindseil. „Ende der 90er ist dann einer von drei Bäumen gefällt worden, weil er zu nah am Haus stand“, sagt der Frimmersdorfer. Seit 2003 sei er dann sozusagen in einem regelmäßigen Austausch mit der Stadt gewesen, um sie auf die Gefahren hinzuweisen, die von den beiden übrig gebliebenen Bäumen ausgehe. „Bei jedem Wind habe ich die hohen Kiefern beobachtet und mir große Sorgen gemacht“, berichtet Karl-Heinz Bindseil.

Der ganze Ärger und die Lauferei, die ihm nun bevorstehen, hätten mit einem Rückschnitt oder dem Kappen der Bäume verhindert werden können, sagt er. Zwar habe ihm ein Mitarbeiter des Grünflächenamtes im vorigen Jahr noch erklärt, dass die Bäume wegmüssten — doch: „Passiert ist nichts“, sagt Bindseil verärgert. Dass die Kiefern gesund waren und aus diesem Grund auch nicht gefällt wurden, wie ihm eine Vertreterin aus dem Rathaus nun nach dem Unglück mitteilte, will er nicht glauben. „Ich werde einen Gutachter damit beauftragen, die noch vor dem Haus liegenden Baumreste zu untersuchen“, kündigt er an. Verärgert sei er darüber, dass von der Stadt nicht einmal eine Entschuldigung kam. „Es wurde mir nur erklärt, dass der Sachschaden sicher überschaubar sei und von der Versicherung reguliert werde“, ergänzt der Hauseigentümer.

Eine Stellungnahme, warum die Stadt den Hinweisen von Karl-Heinz Bindseil nicht nachgegangen ist und in welchem Zustand die Bäume waren, war gestern von Seiten des Rathauses nicht zu bekommen.

Die beiden Kiefern vor seinem Haus sind inzwischen gefällt — doch Bindseil blickt nun skeptisch in die Nachbarschaft. Im nebenan liegenden Park stehen ebensolche ausladenden Baumriesen. „Auch sie stellen ein Gefährdungspotenzial dar. Aber auch dort will man wohl untätig warten, bis der nächste Sturm kommt“, kritisiert Bindseil.