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Striktes Fütterungsverbot für Gänse

Striktes Fütterungsverbot für Gänse

Stadt denkt über Strafe nach. Umsiedlung der Tiere nicht ausgeschlossen.

Neuss. Ein blühender Algenteppich schwimmt auf dem See, die Stadt hat mit einer wachsenden Population von fast 200 Gänsen zu kämpfen, die Wiesen sind mit Kot verschmutzt, der Kinderspielplatz muss für mehrere Wochen gesperrt werden: So sah es im Juli 2012 am Naherholungsgewässer Jröne Meerke aus. Derzeit kommen die Gänse aus ihren Winterquartieren, eine wesentliche Besserung der Situation für den Sommer ist noch nicht in Sicht.

Im August hatte die Stadt zu einem Runden Tisch eingeladen, schon 2011 war eine gewässerkundliche Untersuchung in Auftrag gegeben worden. Neben einer Bestandsaufnahme sollte das ökologische Entwicklungspotenzial des grundwassergespeisten Sees analysiert werden. Nach zweijähriger Untersuchungsphase wurden die Ergebnisse jetzt im Umweltausschuss vorgestellt.

Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass der hohe Nährstoffeintrag im acht Meter tiefen See zu einer übermäßigen Algenbildung und anderen Problemen führt. Die hohen Werte seien im Wesentlichen auf das Massenaufkommen der Wasservögel zurückzuführen, deren Kot Ufer, Wiesen und See verunreinige.

Dass sich die Gänse an der Jröne Meerke so wohl fühlen, sei wiederum als Folge der übermäßigen Fütterung zu betrachten, heißt es. Wie viele Gänse für den Park gerade noch „zuträglich“ seien, könne nicht differenziert werden. Ohne Fütterung würden jedoch wesentlich weniger Tiere eine Nahrungsgrundlage am See finden.

„Das ist Tierliebe, die unangemessen ist“, sagt Stefan Diener, Leiter des Grünflächenamts. Zwar weisen Schilder an der Jröne Meerke darauf hin, dass das Füttern der Gänse und Enten nicht erlaubt ist, ein striktes Verbot gibt es aber nicht. „Bisher appellieren wir an die Vernunft und Einsicht der Leute. Wir überlegen aber, ob wir ein Verbot und damit Bußgelder in die Gartenordnung aufnehmen“, sagt Diener.

Auch das Anfüttern der Fische durch Angler sowie viel Laub tragen laut Gutachten zum hohen Nährstoffgehalt bei. Der See sei aber nicht umgekippt, eine drastische Maßnahme wie eine Entschlammung käme daher auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht infrage. „Wir suchen nach einer technischen Lösung. Luftsprudler sind vielleicht eine Möglichkeit“, so Diener. „Es wäre gut, wenn sich der See einmal im Jahr umwälzen würde.“

Die rund 120 Schneegänse dürfen nicht bejagt oder umgesiedelt werden. Um das Problem in den Griff zu bekommen, wird aber über eine Teilumsiedlung nachgedacht. „Wenn man den Gänsen gute Voraussetzungen bietet, könnte das in einem Pilotprojekt in Abstimmung mit dem Landesumweltamt gelingen“, erläutert Diener.

Der Gutachter schlägt ein „Gänsemanagement“ vor, Gänsen und Spaziergängern sollen unterschiedliche Zonen am See „zugewiesen“ werden.

Die Expertenrunde will sich im April treffen. Anschließend soll erneut ein Runder Tisch zusammenkommen, an dem Anwohner, Verwaltung, Naturschützer und Angelverein teilnehmen.