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Stadt spart bei der Drogenberatung

Stadt spart bei der Drogenberatung

Das Kontaktcafé „Come In“ in der Augustinusstraße wurde im Januar geschlossen — trotz großen Erfolgs.

Neuss. Neun Jahre lang war das Kontaktcafé „Come In“ der Drogenberatungsstelle Neuss Treffpunkt für Konsumenten harter Drogen — und die Zahl der Beratungsgespräche ist bis Januar immens gestiegen.

Doch dann wurde das Bistro an der Augustinusstraße geschlossen, weil die Stadt Personalkosten einspart.

„Der Mitarbeiter, der den Arbeitsbereich entscheidend mitgeprägt hat, hat sich beruflich neu orientiert“, sagt Sozialdezernent Stefan Hahn. „Wegen der angespannten Haushaltslage konnten wir die halbe Stelle nicht wieder besetzen.“

Rund 30 000 Euro steckte die Stadt pro Jahr in das niederschwellige Angebot, bei dem Abhängige zweimal wöchentlich ein offenes Ohr fanden — um über ihren Alltag und persönliche Probleme zu reden.

„Wir brauchten einen langen Atem, um das Angebot zu etablieren, und waren sehr glücklich, dass wir am Ende so viele Gespräche führen konnten“, sagt Norbert Bläsing, Leiter der Jugend- und Drogenberatung. „Vergangenes Jahr haben uns 230 Klienten regelmäßig besucht.“ Ein Jahr zuvor waren es 165.

„Der Bedarf ist groß“, sagt Bläsing. Der Erfolg offenbar nicht kleiner. Bis zu 80 Prozent der Drogenabhängigen, die sich im „Come In“ zu einem ersten Gespräch öffneten, seien in verbindliche Beratungsgespräche vermittelt worden.

„Auch wenn natürlich nicht alle clean werden, konnten wir viele Personen erreichen, die ohne das Angebot nicht zu uns gekommen wären“, sagt Bläsing. Laut Hahn ist der Stadt der Stellenwert des Projekts klar: „Das ’Come In’ ist ein wichtiges Angebot. Wir führen derzeit Gespräche, um es künftig mit Drittmitteln zu finanzieren.“

Doch nicht nur der neue Mitarbeiter müsste finanziert werden. Die räumliche Enge des kleinen Bistros führte mit wachsendem Erfolg zu einem erhöhten Aggressionspotenzial der Klienten.

„Das ist genauso wie in einer überfüllten Bahn“, sagt Bläsing. „Aber darum können wir uns Gedanken machen, wenn wir Planungssicherheit haben. Das ist hoffentlich bald der Fall.“