Stadt braucht mehrere neue Kitas

Stadt braucht mehrere neue Kitas

Gutachter haben im Verwaltungsauftrag einen Bedarf von 320 neuen Betreuungsplätzen im Jahr 2022 errechnet.

Grevenbroich. Die Stadt ist beliebt, vor allem als Wohnort für junge Familien. Der stetige Zuzug, aber auch eine derzeit ungewöhnlich hohe Geburtenrate, bringen einen steigenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen mit sich. Um dieser Herausforderung begegnen zu können, hat die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben. Im Jugendhilfeausschuss (JHA) wurde jetzt der Kita-Bedarfs- und Entwicklungsplan skizziert. Ulrike Lexis vom Gutachterbüro Garbe & Lexis präsentierte das Zahlenwerk.

Die wichtigste Prognose für die Jahre bis 2022: Es müssen 320 zusätzliche Plätze zur Kinderbetreuung geschaffen werden. „Natürlich ist das ein Modell“, erklärte Lexis ihre Ausführungen. Diese sogenannte Gemeindemodellrechnung basiert auf Daten des Jahres 2014. „Allerdings sind die Geburtenraten höher als vorhergesagt“, 2017 waren es 612 Geburten, die Grevenbroicher anmeldeten. Die „zurzeit ungewöhnlich hohe Geburtenrate“ floss ebenso in die Berechnungen ein wie der „positive Zuzug von etwa zehn Prozent Neubürgern“ — hiermit sind Neu-Grevenbroicher ebenso wie Flüchtlinge gemeint. Gewisse Ungenauigkeiten in der Berechnung sind unvermeidbar, besagte Geburtenrate ist ein Faktor: „Wir wissen nicht, wie lange dieses hohe Plateau erhalten bleibt“. Entscheidender als die Geburtenzahlen aber sei die Nutzerquote, „ich unterstelle, eine höhere Versorgungsquote sei gewünscht“.

Ulrike Lexis, Gutachterin

Als Zahlenwerk liest sich die von dem Gutachterbüro errechnete Prognose so: Der aktuelle Bedarf für 2017/18 liegt bei 2017 Plätzen und schreibt sich für 2018/19 auf 2107 Plätze fort. 2019/20 liegt er bei 2241 Plätzen, und im Kindergartenjahr 2022/23 steigt die Zahl auf 2290 Plätze.

„320 weitere Plätze“ braucht die Stadt — um diese zu realisieren, skizzierte Ulrike Lexis drei verschiedene Möglichkeiten. Nämlich in Form von vier mal 80 Plätzen, ein mal 140 und zwei mal 90 Plätzen oder zwei mal 140 Plätzen und weiterem Tagespflegepersonal. Auch die sozialräumliche Verteilung für die Bedarfe wurde erörtert: Bislang liegt die Kita-Belegung im Bezirk I in Grevenbroich Süd bei einer Quote von 24,28 Prozent, in Bezirk II (Mitte) bei 34,67 Prozent. Am höchsten ist sie im Grevenbroicher Norden, wo die Belegungsquote bei 41,05 Prozent liegt.

Der Kita-Bedarfsplan ist „Thema für Haushaltsberatung“, waren die Mitglieder des JHA sich einig. Eine erste Empfehlung spricht der JHA dem Rat aus: An der Adresse Am Böhnerfeld in Wevelinghoven sollen Neubau sowie Inbetriebnahme einer neuen Kita „zeitnah“ eingeleitet werden. Ginge es nach dem JHA, würden hier fünf neue Gruppen entstehen. „Weitere Standorte müssen ermittelt werden“, dabei sollen mögliche Neugründungen in neuen Baugebieten ins Auge gefasst werden.

Welche Summen dafür allerdings gestemmt werden müssen, ist bislang unklar. Um der hohen Platznachfrage angesichts der nicht ausgeglichenen Finanzlage der Stadt nachkommen zu können, soll auch geprüft werden, welche bereits existenten Einrichtungen möglicherweise weiter aufgestockt und ausgebaut werden könnten. Aktuelle Beispiele hierfür lieferten gerade „Die kleinen Kleckse“: An der Hoeninger Straße in Barrenstein wurden in der vergangenen Woche 13 Container aufgestellt, um 20 neue Kita-Plätze zu realisieren. Auch der Kindergarten in Langwaden wird auf diese Weise zeitnah erweitert. Die Kosten für den Ausbau belaufen sich an beiden Standorten auf insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro.

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