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Sonderausstellung im Feld-Haus: Die Welt in Bildern erzählt

Sonderausstellung im Feld-Haus: Die Welt in Bildern erzählt

Bilderbogen dienten früher als Spielevorlage oder Heimkino — und vor allem als Informationsquelle.

Neuss. Sie waren die ersten Massenmedien des 18. und 19. Jahrhunderts. Bilderbogen erzählten von fremden Welten, griffen aktuelle Ereignisse auf, zeigten Modetrends oder dienten Kindern als Ersatz für teures Spielzeug. Das Feld-Haus zeigt ab Sonntag in einer Sonderausstellung eine Auswahl dieser Exponate aus dem Bereich der modernen Druckgrafik.

Bereits im 15. Jahrhundert gab es erste Vorläufer, die der religiösen Belehrung dienten. „Das Bedürfnis, christliche Szenen bildhaft darzustellen, war sehr ausgeprägt“, berichtet Kuratorin Britta Spieß, die sich bei ihren Recherchen im Vorfeld der Ausstellung wunderte, wie groß die stilistische Vielfalt in diesem frühen Stadium der Einblattholzschnitte schon war. „Obwohl beispielsweise bei einer Kreuzigungsszene Personal und Requisiten ja doch recht überschaubar waren.“

Hinzu kam die illustrierte, nicht selten manipulative Berichterstattung über Kriegsereignisse und Schlachten, aber auch über Krönungen oder exotische Tiere wie Elefanten — halt alles, was die Menschen allenfalls aus Erzählungen kannten.

Mit dem zunehmenden technischen Fortschritt — vor allem der Erfindung der Lithographie — wurde die Produktion für die Verlage immer billiger, die Bilderbogen wurden zur Massenware. Zu den bekanntesten deutschen Verlagen zählte die Lithographische Anstalt von Gustav Kühn in Neuruppin, die mehr als 20 000 verschiedene Bilderbogen herausgab, einige davon in einer Auflage von bis zu 80 000 Stück.

Die Themenpalette wurde immer breiter. Den Käufern wurde comichaft erklärt, wie die Welt auf anderen Kontinenten aussieht. Renommierte Künstler verdienten sich durch die Illustration der Einblattdrucke ein Zubrot, und in so genannte Guckkästen eingelegt, wurden die Bilderbogen zum ersten dreidimensionalen Heimkino.

Zwar gab es die Blätter auch in Geschäften oder auf Jahrmärkten zu kaufen, vor allem fliegende Händler brachten die beliebte Ware aber direkt in die Haushalte. „Diese Kolporteure waren sehr beliebt, denn sie brachten jede Menge Neuigkeiten mit in die gute Stube“, erzählt Spieß. Und sie nahmen immer weitere Wege auf sich, überquerten im Sommer sogar die Alpen und steuerten andere europäische Länder an, „während die Frauen zu Hause die Landwirtschaft am Laufen hielten“, sagt die Kuratorin.

Der Erfolgswelle der Bilderbogen von Italien über Skandinavien bis nach Russland verdankt die Ausstellung im Feld-Haus auch ihren Titel: „Bunte Bilder für Europa“.