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Senioren-WG Wingender Straße: Im Alter dem Alleinsein entfliehen

Senioren-WG Wingender Straße: Im Alter dem Alleinsein entfliehen

An der Wingender Straße hat sich eine Senioren-WG der Diakonie gebildet.

Neuss. „Die Wohnungstür lasse ich immer auf“, sagt Sigward Groehn, der in einem der Gebäude des Neusser Bauvereins in der südlichen Furth zu Hause ist. „Nur, wenn ich einkaufen gehe, ziehe ich sie zu und schließe ab“, sagt er.

Dass sich der 58-Jährige über die Sicherheit in seinem Haus keine Sorgen machen muss, liegt in der Natur seiner Lebenssituation: Als Mitglied einer Senioren-Wohngemeinschaft empfindet Groehn seine voll funktionsfähige Wohnungstür samt Klingel, Namensschild und eingelassenem Türspion eher wie eine Zimmertür.

Denn wo sich in Mietshäusern sonst anonyme Treppenhäuser befinden, erstreckt sich im Haus der Senioren-WG ein barrierefreier Flur, der in einen großzügigen Aufenthaltsraum mündet. Dort treffen sich nach Lust und Laune WG-Mitglieder aus sechs Wohnungen, um es sich wahlweise im offenen Küchenbereich oder in der Wohnzimmerecke gemütlich zu machen.

„Nicht allein zu sein und Banken oder Geschäfte in der Nähe zu haben, war der Grund, hier einzuziehen“, erinnert sich Groehn, der als Rollstuhlfahrer auch auf die Barrierefreiheit in der von der Diakonie getragenen Senioren-WG angewiesen war.

Vor viereinhalb Jahren bezog er sein neues Reich im Erdgeschoss. „In der ersten Etage gibt es weitere sechs Wohnungen“, sagt Daniela Krauskopf. Die Mitarbeiterin der Diakonie besucht zwei Mal pro Woche alle WG-Mitglieder. Ansonsten kümmert sie sich täglich im Treff 20, der im Erdgeschoss des Nachbarhauses untergebracht ist, um den Service. „Wir bieten im Mehrgenerationenhaus — wie wir den Treff 20 an der Wingender Straße auch nennen — viel Programm.“

Von der Hausaufgabenbetreuung für Schüler über Frühstücks- und Mittagstischangebote bis zu Spielgruppen und einem sportlichen Angebot für kleine Ringer oder sogar Handy- und Computerkursen für Senioren reicht die Palette des vielseitigen Angebots. Es richtet sich an alle Bewohner der umliegenden Häuser, die sich in der Nachbarschaft des Treff 20 befinden.

Insgesamt gleich drei Projekte hat die Neusser Diakonie in der Furth vor gut fünf Jahren umgesetzt. „In diesen Gebäuden konnte die Diakonie neben dem Nachbarschaftstreff und der Senioren-WG mit einer Demenzgruppe eine weitere betreute Wohneinheit verwirklichen“, sagt Stephan Butt, Bereichsleiter der Diakonie in Neuss. Bei deren Betreuung spielt die Einbeziehung von Familienangehörigen eine große Rolle.

Allein im Treff 20 arbeiten 25 freiwillige Helfer. „Sie kochen, backen Kuchen oder machen Marmelade ein“, fasst Daniela Krauskopf zusammen. Das sei eine enorme Hilfe. „Ich bin für den Kaffeeklatsch zuständig“, sagt Irmtrud Klüners. Die 63-Jährige wohnt um die Ecke und freut sich, eine Aufgabe zu haben.

Nur in der Senioren-Wohngemeinschaft herrscht zurzeit traurige Stimmung. „Leider sterben hier im Moment alle weg“, sagt Waltraud Lehniger unverblümt. Die alte Dame, die ihr Alter nicht verraten will, wünscht sich wieder mehr Gesellschaft.

Auch Sigward Groehn fehlt die gerade verstorbene „gute Seele des Hauses“ sehr. „Sie hat uns zum Frühstück zusammengetrommelt und eine Gemeinschaftskasse geführt, aus der sie für das gemütliche Beisammensein eingekauft hat.“