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„Schwatte Päd“: Kirmes wieder auf

„Schwatte Päd“: Kirmes wieder auf

Die älteste Schankwirtschaft der Stadt hat sechs Jahre lang leer gestanden. Jetzt wagt ein Pächter-Duo den Neustart.

Neuss. Im „Schwatte Päd“ wird renoviert. Spätestens zum Schützenfest Ende August soll das älteste Gasthaus der Stadt wieder eröffnen. Nicht als Shisha-Bar, Döner-Imbiss oder Filiale einer Pizzeriakette — obwohl Hausverwalter Jürgen Linnerz auch von solchen Interessenten Anfragen hatte. Nein, das „Päd“ bleibt, was es seit 1603 nachweislich war — eine Schankwirtschaft. „Päd“-Betreiber wird die nur zu diesem Zweck gegründete „Viavent“ sein, hinter der Restaurant-Fachmann Sebastian Förster und Diplomkaufmann Guido Lettini stehen.

Sie erhielten den Zuschlag, weil sich ihr Konzept eines Brauereiausschanks mit kleiner Speisekarte, mit dem auch Weingenießer angesprochen werden, mit den Vorstellungen von Eigentümerin Claudia Linnertz und der Hausverwaltung deckt. 2012 hatte das Gasthaus zum letzten Mal geöffnet, nachdem zuvor einige Gastwirte und zuletzt auch die Diebels-Brauerei als Pächter, die das Lokal mit einem bestellten Geschäftsführer wieder flott machen wollte, gescheitert waren.

An Versuchen und Ideen, das denkmalgeschützte Haus wieder zum öffentlichen Ort zu machen, hatte es nicht gefehlt. Die Stadt erwog sogar, das Haus zu kaufen — ohne aber je darüber mit der Eigentümerin gesprochen zu haben, wie diese bemerkt. Zuvor hatte sich ein Neusser Gastwirt als Interessent zurückgezogen, weil vor dem Haus am Büchel keine Außengastronomie in nennenswertem Umfang möglich war. Die neuen Betreiber sondieren bei der Stadt ebenfalls in diese Richtung, berichtet Lettini, machen davon aber eine Neueröffnung nicht abhängig. Für die Innenstadtgastronomie wäre „Em Schwatte Päd“, eine Bereicherung „und für uns alle gut“, betont Michael Bott, Wirt im „Neuen Marienbildchen“. Dann würden die Gäste in der Stadt bleiben und nicht ins Umland fahren.

Bott spricht von einer abwechslungsreichen Gastronomie-Szene in Neuss — zu der das „Marienbildchen“ auch noch gehören wird, wenn er selbst im Herbst in Rente geht. Als Nachfolger stehe Werner Galka fest, der Betreiber der Wunderbar — der auch schon am „Päd“ interessiert war. Diese Szene möchten Lettini und sein Geschäftspartner Förster, der von 2003 bis 2009 schon einmal Thekenchef im „Päd“ war, um ein Haus bereichern, in dem man wieder einen Frühschoppen nehmen kann, wo in den oberen Etagen Platz für Seminare und Tagungen ist und wo laut Förster im Kellergewölbe wöchentlich Events angeboten werden soll. Das können Weinproben oder Whisky-Tastings sein, aber auch Comedy oder Live-Musik.

Aus dem Hahn fließt Bier der Brauerei Füchschen. Denn nachdem Linnerz erreicht hat, den bis 2020 laufenden Vertrag mit Diebels vorzeitig aufzulösen, waren die neuen Pächter, die direkt mit der Eigentümerin verhandelten, in der Wahl ihrer Partner frei.