Schule übernimmt Sportanlage

Neuss will die Bezirkssportanlage „Stadtwald“ an die Internationale Schule abgeben, wenn diese für die Öffentlichkeit erhalten bleibt. Die ISR sagt das und Investitionen zu — und baut die Partnerschaft mit dem Polizeisportverein aus.

Neuss. Der Vorgang ist einmalig in der Sportgeschichte der Stadt: Sie trennt sich von der Bezirkssportanlage „Stadtwald“, kann sie aber als öffentliche Einrichtung für den Schul- und Vereinssport erhalten. Möglich macht das eine Kooperation mit der benachbarten „International School on the Rhein“ (ISR), die die Anlage zum 1. Januar 2019 übernehmen will. „Es gibt keinen Nachteil für irgendjemanden“, beteuert ISR-Geschäftsführer Peter Soliman — und die Sportpolitik schenkte ihm im Ausschuss nur zu gern Glauben.

Für Bürgermeister Reiner Breuer zeichnet sich in den Gesprächen eine klassische „Win-Win-Situation“ ab. Für ihn ist wichtig, dass das Paket, über das derzeit verhandelt wird, im Einklang mit dem 2016 beschlossenen Sportentwicklungskonzept steht.

Darin ist von einem bedarfsgerechten Ausbau der Bezirkssportanlagen (BSA) die Rede und wird die Frage aufgeworfen, wie viele der 15 Sportstätten im Stadtgebiet auf Dauer benötigt werden. Für die BSA „Stadtwald“ wären diese Fragen damit beantwortet. Zudem spart die Stadt Betriebskosten, die beim ersten „Sportgipfel“ im vergangenen Jahr von der Verwaltung mit 160 000 Euro jährlich beziffert wurden. Inzwischen sei von 200 000 Euro die Rede, berichtet Soliman. Größter Gewinn aus Sicht der ISR ist die Chance, sich sportlich zu positionieren und den Schülern Teamerfahrung zu vermitteln. „Viele Eltern wollen wissen, wie das Sportangebot bei uns aussieht“, so Soliman. Er hatte schon in Köpfe investiert, mit Ex-Bundesliga-Fußballer Karsten Baumann und Sportkoordinator Jonas Jochem zwei Sportgestalter an die ISR gebunden.

Nun soll in die Infrastruktur investiert werden. Der Schulträger ist bereit, alle Aufbauten der Bezirkssportanlage zu erwerben und mittelfristig einen siebenstelligen Betrag zu investieren, etwa in einen Kunstrasenplatz und eine Laufbahn. Um diese Investitionen abzusichern, möchte Soliman einen Erbpachtvertrag mit der Stadt für das 60 000 Quadratmeter große Gelände am Stoffelsweg abschließen. Laufzeit: 99 Jahre.

Partner bei allen Überlegungen ist der am „Stadtwald“ beheimatete Polizeisportverein (PSV) mit etwa 16 Mannschaften im Ligabetrieb. Soliman spricht von einem „Verschmelzen auf Augenhöhe“ und nicht von „Übernahme“. Die sportliche Kooperation mit dem PSV sei weit fortgeschritten und institutionalisiert, ohne dass es dazu eines Vertrages mit der Stadt bedurfte. Soliman ist zweiter Vorsitzender des PSV, Seite an Seite mit Thomas Struckmeier, Karsten Baumann ist seit kurzem Abteilungsleiter Fußball des PSV, und Jonas Jochem gehört als Abteilungsleiter Leichtathletik zum erweiterten Vorstand, soll dort in naher Zukunft Jugendleiter werden. „Wir sind dankbar, dass uns der PSV so akzeptiert hat“, sagt Soliman.

Die Sportkooperation sieht im Kern so aus, dass ISR-Schüler beim PSV trainieren und unter dessen Namen zu Ligaspielen auflaufen. Sportkoordinator Jochem fügt noch die Leichtathletik hinzu, während die Kampfsportabteilung des PSV Selbstverteidigungskurse anbietet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung