Schützenstadt Neuss investiert in Kirmesplätze

Schützenstadt Neuss : Kirmesplätze sollen saniert werden

Etwa 170 000 Euro sind laut groben Schätzungen der Verwaltung nötig, um die 19 Kirmesplätze im Stadtgebiet in einen guten Zustand zu versetzen.

Der erste Hilferuf kam von den Norfer Schützen – und genau da setzt die Stadt jetzt mit ihrem Bemühen an, die Kirmesplätze auf Vordermann zu bringen. Ausschreibung und Auftragsvergabe sind erfolgt, bis zur Spätkirmes im September soll der 4000 Quadratmeter große Platz hergerichtet sein. Mit den anderen Festwiesen soll sich der Liegenschaftsausschuss in der ersten Sitzung nach den Ferien beschäftigen und einen Handlungsplan mit Prioritätensetzung erarbeiten.

Dieser aktuelle Ratsbeschluss wird flankiert von einigem Theaterdonner. Die schwarz-grüne Koalition, auf deren Initiative die Verwaltung den Zustand aller Plätze inspiziert hat, verteidigt ihren neuerlichen Antrag damit, dass der Bestandsaufnahme ein abgestimmes Sanierungsprogramm folgen muss. „Alle Plätze sollen in einem gleich guten Zustand sein“, erklärt Sven Schümann (CDU) das Ziel der Koalition, die eine klare Ansage folgen lässt: Zeitnah sollen auf Norf die Plätze in Weckhoven, Furth und Grimlinghausen folgen.

Die größte Investition steht
auf dem Norfer Platz an

Nach Ansicht von Bürgermeister Reiner Breuer hätte es dieses Antrages nicht bedurft. Für ihn sei das „in Arbeit“, wie er dem Neusser Schützenpräsidenten und CDU-Stadtverordneten Martin Flecken berichtet und „laufendes Geschäft der Verwaltung“. Diesen Faden nimmt die SPD auf, die den Antrag der Koalition als „gänzlich überflüssig“ bezeichnet. Ihr Fraktionsvorsitzender Arno Jansen spricht gar von einem „Schaufensterantrag“ und einer „Beschäftigungstherapie für Politik und Verwaltung“.

Dass es ohne die Politik aber nicht gehen wird, macht Breuer mit einem Fingerzeig auf den Wirtschaftsplan der Liegenschaftsverwaltung deutlich. Von dem hänge ab ob und wie schnell das Kirmesplatzprogramm umgesetzt wird, sagt er. Und dieser Plan muss politisch beschlossen werden.

Rund 170 000 Euro, so hat die Verwaltung grob überschlagen, werden nötig sein, um die 19 Kirmesplätze im Stadtgebiet in einen guten Zustand zu versetzen. Dabei sind nicht überall Bauarbeiten zu erwarten. In Speck-Wehl zum Beispiel, dem einzigen angemieteten Platz, ist es Sache des Besitzers für einen ordentlichen Zustand zu sorgen. Bei der Begehung des großen Neusser Kirmesplatzes sowie der Plätze in Allerheiligen, Gnadental und Erfttal wiederum hatten die Prüfer nichts zu beanstanden. Rosellerheide-Neuenbaum und Schlicherum fallen vorerst aus dem Programm heraus, da sie nicht asphaltiert oder anders befestigt sind – und nichts instand zu setzen wäre. Auch der Platz in Elvekum und der auf der Bezirkssportanlage Grefrath bleiben ausgeklammert. Das gilt auch für den Kirmesplatz in Lanzerath. Grund: Dort findet keine Kirmes statt.

Die größte Investition steht in Norf an, dessen Kirmesplatz im vergangenen Jahr von Baufirmen als Materiallager zweckentfremdet worden war. Dort sind 50 000 Euro nötig, um den Rundlauf neu zu asphaltieren, den Zelteingang zu befestigen und den Teil des Platzes anzuheben, an dem sich nach Regenfällen allzu große Pfützen bilden. Grimlinghausen (34 000 Euro), Weckhoven (32 000 Euro) und der Further Platz (30 000 Euro) sind aus ähnliche Gründen zu sanieren. Dass das geschieht, hat Breuer den Further Schützen zugesichert, bestätigt Joachim Goerdt von der Nordstadtinitiave: „Sein Wort gilt für uns.“ Kleinere Vorhaben in Uedesheim, Rosellen, Hoisten und Holzheim soll das Programm ebenfalls beinhalten. Der Platz in Reuschenberg ist zwar in gutem Zustand, stellt die Schützen aber trotzdem nicht zufrieden. Sie kämpfen mit Unterstützung der CDU darum, den Platz etwas umzugestalten und die Fahrgeschäfte so anzuordnen, dass ein Rundlauf möglich ist. Das wird an diesem Wochenende ausprobiert, und die SPD reklamiert das für sich. Sie teilt mit: „Versprechen vom Bürgerfrühstück eingelöst“.

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