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Roland Debschütz: Kleine Hilfen mit großer Wirkung

Roland Debschütz: Kleine Hilfen mit großer Wirkung

Mit seinem Verein unterstützt Roland Debschütz Menschen in Kambodscha.

Neuss. Wenn Roland Debschütz nach Kambodscha fliegt, hat er immer einen Rollstuhl im Handgepäck. Er benötigt ihn nicht. Der Rollstuhl ist vielmehr für Hilfsbedürftige in dem asiatischen Entwicklungsland gedacht.

Seit Februar 2011 fährt eine alte Frau mit seiner Spende durch das Dorf Banan. Jahrelang hat sie in ihrer Hütte gelegen und auf den Tod gewartet. Jetzt kommt sie wieder — dank des Rollstuhls — zum Markt und kann am Leben teilnehmen. Insgesamt 63 solcher Projekte hat der Neusser mit seinem Verein „Kleine Hilfsaktion“ bei seinem letzten Besuch in Kambodscha angestoßen.

Angefangen hat alles vor vier Jahren. Ein befreundetes Paar will nach Kambodscha fliegen, um nachzuprüfen, ob es die Kinder, die sie als Paten finanziell unterstützen, wirklich gibt. Debschütz ist Asien-Fan, hat den Kontinent schon oft besucht. Über Bangkok fährt er mit seiner Frau und dem Paar in das Landesinnere von Kambodscha. Was keiner von der Reisegruppe für möglich hält: In einer Schule in Banan finden sie die zwei gesuchten Mädchen.

Nach der Schule fahren Debschütz und seine Begleiter mit den Mädchen in ihr Dorf: „Das hat uns völlig aus der Bahn geworfen. So etwas hätte man sich auch im härtesten Fall nicht vorgestellt“, sagt Debschütz. Die Dorfbewohner leben in primitiven Hütten inmitten von Reisfeldern. Die Menschen werden von Hunger und Mücken geplagt, viele haben kein Geld für die medizinische Versorgung. „Uns ging es allen nicht gut nach dem Besuch, so entstand die Idee, irgendetwas zu machen.“ Spontan kaufen sie 120 Mückennetze und verteilen sie in den Dörfern.

Zurück in Neuss, lässt ihn das Schicksal der Menschen in Banan keine Ruhe mehr. Er schreibt die Geschichte auf, vervielfältigt sie und bittet um Spenden. 2007 bekommt er 3000 Dollar zusammen. Als er 2008 wieder nach Kambodscha fliegt, kann er 13 kleine Projekte umsetzen. Einer Frau mit Eileiterschwangerschaft bezahlt er mit 30 Dollar die Operation. Was in Deutschland ein von der Krankenkasse bezahlter Routineeingriff wäre, ist für die Frau in Banan unbezahlbar. Sie wäre gestorben.

Im Laufe der Jahre wächst das Projekt, 2010 gründet Debschütz den Verein „Kleine Hilfsaktion“, um seinen Projekten eine rechtliche Grundlage zu geben. 2011 sind es bereits 15 000 Dollar Spendengelder, mit denen er 41 Projekte initiiert. Mit seinem Verein will sich Debschütz von den großen Hilfsorganisationen abgrenzen. „In Kambodscha gibt es unzählige Organisationen, die man sofort erkennt, weil sie die größten und teuersten Geländewagen fahren. Die Menschen, die wir unterstützen, fallen durch deren Raster.“

Debschütz bezahlt bei jeder Reise alle Kosten selbst. Auch die Vereinsarbeit erledigen die Mitglieder ehrenamtlich, so dass die Spenden — abgesehen von Kosten für Infoflyer oder beim Währungsumtausch — fast zu 100 Prozent in dem Land ankommen. Debschütz hat mit seiner Frau eine kleine Tochter. Der ehemalige deutsche Motorradmeister arbeitet als Fahrlehrer für Motorradrennfahrer und fährt mit Kunden auf dem Nürburgring „Motorradtaxi“. Warum nimmt er die Arbeit für Kambodscha auf sich? „Wir machen das für unsere drei Jahre alte Tochter. Wir wollen ihr soziales Engagement vorleben, nicht erzählen“, sagt der 46-Jährige.

Am 3. Januar fliegt Debschütz wieder nach Kambodscha, um die Menschen in Banan zu unterstützen. Die „Kleine Hilfsaktion“ sucht weiterhin Spender und ist telefonisch unter 2 0 21 31/46 08 89 zu erreichen.