Rinkert bleibt im Rhein-Kreis

Erst in der Nacht gab es die Gewissheit: Der Vorsitzende der SPD im Rhein-Kreis verpasst den Einzug in den Bundestag auch über seinen Listenplatz.

Rhein-Kreis Neuss. In der Nacht zu gestern kam für ihn die Ernüchterung: Daniel Rinkert (SPD) wird nicht in den Bundestag einziehen. „Leider knapp verpasst“, kommentierte der Neurather am Morgen danach sein Ergebnis. Etwa fünf Stunden nach der ersten Hochrechnung wurde deutlich, dass die Landesliste der Sozialdemokraten nur bis Platz 17 ziehen würde, Rinkert war auf Rang 21 angesiedelt.

Rinkert bleibt im Rhein-Kreis
Foto: ati/FDP/Schmitz

Obwohl enttäuscht, ist der 29-Jährige nicht ganz unzufrieden mit seinem Abschneiden im Wahlkreis 108 (Neuss, Grevenbroich, Dormagen, Rommerskirchen). Mit 28,6 Prozent der Erststimmen erreichte der Herausforderer von Minister Hermann Gröhe (CDU) seinen persönlichen Achtungserfolg, in seiner Heimatstadt Grevenbroich holte er 30,5 Prozent. „Für einen Neuling ist das doch ein ganz ordentliches Ergebnis“, meint Rinkert.

Rinkert bleibt im Rhein-Kreis
Foto: ati/FDP/Schmitz

Seine politische Zukunft sieht der junge Jurist weiterhin als Vorsitzender der SPD im Rhein-Kreis Neuss. Und: „Ich möchte mich intensiv an der Neuaufstellung der SPD in Nordrhein-Westfalen beteiligen“, kündigt er an. Zudem schließt Rinkert nicht aus, dass er bei der nächsten Bundestagswahl noch einmal seinen Hut in den Ring werfen werde.

In der Stadt Neuss haben sowohl CDU als auch SPD in allen 29 Wahlbezirken Stimmen verloren im Vergleich zur letzten Bundestagswahl. Unter dem Strich sind es 10,1 Prozentpunkte bei der CDU (kam auf 35,4 Prozent) und 4,3 Prozentpunkte bei den Sozialdemokraten (kam auf 22,2 Prozent). Gewinner sind die AfD, die ihr Ergebnis von 2013 mehr als verdoppeln konnte und auf 9,4 Prozent der Zweitstimmen kam, sowie die FDP, die ein Ergebnis von 15 Prozent feiert. Grüne und Linke kamen auf je 6,9 Prozent.

Die Liberalen feiern auch in Kaarst. „Am Kaarster Ergebnis ist zu erkennen, dass das Protestpotenzial nicht so groß ist, wenn Angebote da sind“, sagt der FDP-Ratsfraktionsvorsitzende Günter Kopp angesichts von knapp 20 Prozent für seine Partei und nur 7,6 Prozent für die AfD.

Enttäuschung dagegen bei der Kaarster SPD. „Wir werden uns genau überlegen, welche Themen wir in Kaarst besetzen. Ich glaube, dass Wohnraum ein sehr wichtiges sein wird. Denn der ist immer noch zu teuer“, sagt die Fraktionsvorsitzende Anneli Palmen.

Der Kaarster CDU-Fraktionsvorsitzende Lars Christoph sah zwar keinen Grund zum Jubel angesichts des bundesweiten Ergebnisses, seine Partei auf kommunaler Ebene aber auf dem richtigen Weg: „Wir werden an unserer Linie nichts zu ändern haben, weiter dicht an den Leuten bleiben.“

Ansgar Heveling setzte sich im Wahlkreis 110 (Meerbusch, Kaarst, Korschenbroich, Jüchen, Krefeld-Süd) durch. Der Jurist aus Korschenbroich sicherte sich zum dritten Mal in Folge den Einzug in den Bundestag. „Ich freue mich. Und ich bin sehr erleichtert, dass ich angesichts der Gesamtsituation der CDU so ein gutes Ergebnis einfahren konnte“, sagte der 45-Jährige: „Das ist für mich Verpflichtung, mich in Berlin für meinen Wahlkreis stark zu machen.“

Bundesweit läuft derzeit vieles auf die sogenannte Jamaika-Koalition von CDU/CSU, FDP und Grünen hinaus. Auf der Suche nach dem Ursprung für die Bezeichnung dieses Bündnisses führt der Weg übrigens in den Rhein-Kreis, genauer: nach Dormagen. Verantwortlich: Hans-Bernd Schmitz.

Er schmunzelt, als er gestern auf „Jamaika“ angesprochen wird. Der heutige Unternehmenssprecher der Bayer AG in Leverkusen war damals Redaktionsleiter des Anzeigenblatts „Schaufenster“ in Dormagen. „Im Vorfeld der Kommunalwahl 1994 haben wir in der Redaktion über mögliche Koalitionen diskutiert. Das war sicher schon im Jahr 1993“, erinnert sich der 57-Jährige. „Weil ich gerade auch dabei war, einen Karibik-Urlaub vorzubereiten, fielen mir in einem Prospekt die Flagge von Jamaika bzw. ihre Farben ins Auge: schwarz, grün und gelb. Das passte zu den Möglichkeiten, wie eine Koalition in Dormagen nach der Kommunalwahl gebildet werden könnte.“ Das „Schaufenster“ titelte dann wenig später auch: „Jamaika-Koalition möglich“.