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Rheinisches Landestheater: Goethes Divan als der Sehnsuchtsort

Rheinisches Landestheater: Goethes Divan als der Sehnsuchtsort

Das Rheinische Landestheater bringt alte und neue Texte und Lieder in einer Collage auf die Bühne.

Neuss. Es wird kein einfach zu konsumierender Theaterabend sein, der die Besucher am Freitag im Studio des Landestheaters erwartet. Aber sicherlich ein ungewöhnlicher, ein visionärer, geht es nach den Theatermachern: In einer Uraufführung setzt sich die Regisseurin Sahar Amini mit Goethes „West-östlichem Divan“ auseinander.

Das Konvolut des Dichterfürsten stellt ein Zwiegespräch Goethes mit dem persischen Dichter Hafis und seinen Werken dar. Der Poet schrieb im 14. Jahrhundert, seine Lyrik ist bis heute im Iran gängige Lektüre, berichtet die in Teheran geborene Regisseurin: „Hafis ist wie eine Art Hausbibel. Man liest und lässt sich von seinen Orakeln helfen.“

Goethe bewunderte den Dichter längst vergangener Zeiten, er schrieb in seinem West-östlichen Divan: „Und mag die ganze Welt versinken, Hafis mit dir, mit dir allein Will ich wetteifern! Lust und Pein Sei uns, den Zwillingen, gemein!“

Goethes Divan ist kein leichter Stoff. In Lyrik, Balladen, mystischen Gedichten sinniert er über Orient und Okzident, Religion und Liebe. „Eine Sehnsuchtsarbeit“ nennt das Sahir Amini, die daraus mit Dramaturgin Barbara Noth eine Collage entwickelt hat. Weit entfernt von programmatischen Aussagen über Toleranz, Werte oder Weltpolitik sieht sie ihren „Divan“ als einen Raum der Utopie, der Heimat, auch der Entgrenzung.

So wird es bei der Premiere keine Schauspieler geben, die eine Handlung „vorspielen“. Die Bühne ist aufgehoben, die drei Akteure sind vom Publikum nicht getrennt.

„Die Schauspieler sind Reisende, die sich Texte nehmen und von ihnen genommen werden“, sagt Sahar Amini. Diese Texte sind Gedichte aus Goethes Divan, Texte von Hafis selbst, ein persisches Märchen aus dem 11. Jahrhundert, aber auch Texte von Friedrich Rückert, der sich wie seit Zeitgenosse Goethe mit Hafis’ Divan auseinandersetzte, oder der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler. Henning Beckmann ist für die Musikbegleitung verantwortlich; sie reicht von klassischer persischer Musik über ein Mahler-Lied bis zur Vertonung eines Goethe-Gedichts.

Der „Sehnsuchtsabend“ in der Inszenierung von Sahar Amini mit Linda Riebau, Andreas Spaniol als Gast und Henning Beckmann (Musik) erlebt seine Uraufführung am Freitag um 20 Uhr im Studio.