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Rekonstruktion: Das Epanchoir soll neu entstehen

Rekonstruktion: Das Epanchoir soll neu entstehen

Rekonstruktion des Bauwerks aus napoleonischer Zeit am Nordkanal ist geplant. Förderverein sucht Sponsoren.

Neuss. Im normalen Wörterbuch findet sich dieser Ausdruck nicht. Epanchoir: Das istn in Neuss eine Art Barriere oder Dosierungsanlage, ein Meisterwerk des Ingenieurhandwerks. Vor 200 Jahren kontrollierte und regulierte es den Nordkanalallee dort, wo die Erft auf ihn trifft.

Seit Jahren verfolgen die Heimatfreunde den anspruchsvollen Plan, dieses Wasserbauwerk zu rekonstruieren und wieder erlebbar zu machen. Stück für Stück geht es voran. Nach einem unterstützenden Ratsbeschluss vom Vorjahr hat sich jetzt ein Förderverein gegründet. Der hat vor allem eine Aufgabe: Fördermittel nach Neuss zu holen und potentielle Sponsoren zu interessieren.

Das Projekt macht die Werbung dafür eigentlich leicht. Vor gut 200 Jahren beschloss Napoleon den Bau des Nordkanals: Er sollte als Verbindung des Rheins bei Neuss mit der Maas bei Venlo und dann noch verlängert bis Antwerpen den Weg zum Meer verkürzen und die Niederländischen Generalstaaten mit hohen Zöllen umgehen. 1804 kam der Kaiser nach Neuss, besichtigten die Trasse und ordnete den Bau an. Für die Kenner der Materie ist ein weiterer Name mindestens ebenso wichtig: Der Ingenieur Amable Hageau meisterte diverse Schwierigkeiten bei der Anlage des Kanals, vor allem aber beim Wasserbauwerk Epanchoir. Wo die Obererft auf den neuen Nordkanal traf, musste sichergestellt sein, dass die zahlreichen Mühlen weiterhin gleichmäßige Wasserkraft nutzen konnten. Die Obererft wurde unter dem Kanal hindurchgeführt, der Wasserstand im Kanal stabil gehalten.

Der Bau blieb Episode. Schon 1811 wurden die Arbeiten eingestellt, die politische Lage hatte sich geändert, man brauchte die Anlage nicht mehr. Der Nordkanal wurde noch zwischen Neuss und Neersen marginal genutzt, doch das letzte Schiff — die Eisenbahn wurde zum übermächtigen Konkurrenten — fuhr 1850. Ein Teil des Entlastungsbauwerks ist noch am St. Josef-Krankenhaus zu sehen, der Rest liegt unter der Nordkanalallee.

Die Rekonstruktion ist eine Idee, der zwar nicht so kühn ist wie die Planung zur Franzosenzeit, aber doch ein Mammutprojekt darstellt. Die Wasserkreuzung inklusive eines Teilstücks des Nordkanals in voller historischer Breite, eine begehbare „Treidelbrücke“ — da komme man einer Bausumme von einer Million Euro schon nahe, sagt Karl Kaster, 2. Vorsitzender des Fördervereins. Das hält die Akteure aber nicht ab. Die Augustinus-Kliniken haben der Stadt bereits vertraglich eine Überlassung des Grundstückteils zugesichert. Der Rat unterstützt das Projekt „vorbehaltlich der Finanzierung“.

Der Förderverein ist nun auf Akquise. Die Stiftung Denkmalschutz ist mit im Boot, Kontakte zur NRW-Stiftung sind geknüpft, die Stadtwerke könnten das gewaltige Wasserrohr verlegen, und dann hofft der Verein auf historisch und technisch interessierte Neusser Unternehmen. Ende 2013, sagt Karl Kaster, soll es Klarheit über die Finanzierung geben.