Raser-Prozess in Stuttgart um getöteten Riccardo aus Kaarst: Anwalt bestreitet Mordabsicht

Kaarster und seine Freundin starben : Raser-Prozess: Belastungsprobe für Eltern der Opfer

Ein Kaarster und seine Freundin wurden bei einem Unfall getötet. Der Verursacher ist wegen Mordes angeklagt.

Was geht vor in einem jungen Menschen, der sich einen PS-starken Sportwagen mietet und durch die Straßen von Stuttgart rast? Der seinen Motor immer wieder aufheulen und die Tachonadel ausschlagen lässt, das Auto dann nicht mehr kontrollieren kann und einen fatalen Crash verursacht? Wusste er, dass er eine tödliche Gefahr darstellte?

Ein halbes Jahr nach einem Unfall mit zwei Toten – dabei handelt es sich um den 25 Jahre alten Riccardo aus Kaarst und seine Freundin (22) – sitzt ein 20 Jahre alter Mann auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts – wegen Mordes. Im „Geschwindigkeitsrausch“ sei der junge Mann mit seinem Jaguar F-Type Coupe durch Stuttgart und über die Autobahn gefahren, stundenlang – so schildert es die Staatsanwältin zu Beginn des Prozesses vor der Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts am Mittwoch.

Bei der Tempofahrt am Abend des 6. März dieses Jahres verliert der junge Mann laut Anklage die Kontrolle über den Jaguar. Nach einem Gutachten rast er kurz vor dem Crash mit Tempo 160 bis 165 auf eine Kreuzung in der Innenstadt zu. Mit einer Geschwindigkeit von rund 100 bis 110 Stundenkilometern rammt der 20-Jährige einen stehenden Kleinwagen am Straßenrand. In diesem sitzen Riccardo und seine Freundin – beide kommen ums Leben. Die Opfer waren erst kurz vorher nach Stuttgart gezogen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 20-Jährigen Mord vor. „Keineswegs“, sagt dagegen der Verteidiger des Unfallfahrers. Der Zusammenstoß sei unfassbar tragisch gewesen. Sein Mandant trage schwer an seiner Verantwortung, er sei zudem nicht vorbelastet gewesen. „Den Vorwurf eines Mordes weisen wir daher entschieden zurück.“

Auf einem Tisch im Gerichtssaal haben Eltern eines Opfers zu Prozessbeginn einen Bilderrahmen aufgestellt. Mit den Fotos der gestorbenen Tochter wollen sie an ihr Kind erinnern. Riccardos Vater erscheint zudem mit einem T-Shirt, auf dem ein Foto seines Sohnes zu sehen ist. Die Mütter der beiden Getöteten weinen beim Verlesen der detaillierten Anklage, sie schütteln den Kopf bei den Aussagen des Beifahrers aus der Unfallnacht. „Das war eine Sache von 30 Sekunden“, erinnert sich der 19-Jährige an die Momente des Zusammenstoßes. „Das ging ruckzuck.“ Der Angeklagte sei ein „Internetposer“, der sich PS-starke Autos ausgeliehen habe, um in sozialen Netzwerken Eindruck zu machen. dpa/jasi

(dpa/jasi)