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Pollerkrieg in Neuss: Beton blockiert Parkplätze

Verkehrsversuch in Neuss : Streit um Parkplätze an der Sebastianusstraße

Weil Autofahrer Wege finden, gesperrte Parkplätze zu nutzen, reagiert nun die Stadt.

(-nau) Poller aus Waschbeton und andere „Schwergewichte“ blockieren seit einigen Tagen Parkplätze an der Sebastianusstraße. Sie sind der robuste Versuch der Stadtverwaltung, einen Ratsbeschluss durchzusetzen und durch das Verdrängen von geparkten Autos mehr Aufenthaltsqualität und urbane Räume zu schaffen. Eine Übergangslösung, wie Planungsdezernent Christoph Hölters versichert.

Für Anlieger wie den Optiker Michael Ritters haben die Poller aus Waschbeton, die man ihm vor das Schaufenster gestellt hat, weder mit Aufenthaltsqualität noch mit urbanen Räumen etwas zu tun. „Aufstellen war wohl preiswerter als entsorgen“, kommentiert er diese Auswahl. Der CDU-Stadtverordnete Axel Stucke sieht es ebenso. „Hässlich“ und „aus dem vorigen Jahrtausend“ nennt er die Poller und kann jeden verstehen, der gegen diese Form der Möblierung ist. Sein Kompromissvorschlag: Die Parkstreifen beiderseits der Sebastianusstraße als Lieferzone mit Kurzzeitparkplätzen auszuweisen – bevor im nächsten Frühjahr mit Anwohnern und Geschäftsinhabern über eine abschließende Möblierung gesprochen wird. „Das hier“, sagt Stucke mit Blick auf die Poller, „macht die Sebastianusstraße endgültig tot“.

Für Kompromisse scheinen die Zeiten aber ungünstig zu sein, denn seit langem ist ein stilles und zähes Ringen von Verwaltung und Autofahrern zu beobachten. Die Stadt hat Sitzbänke und andere Dinge zur Verschönerung der Straße angeschafft und auf ehemaligen Parkplätzen platziert, doch die, so beschreibt es Hölters, „haben Beine bekommen“. Immer wieder seien sie „bedarfsgerecht verschoben“ worden oder, wie Sacha Karbowiak (SPD) hinzufügt, „einfach hochgeklappt“ – und dann doch ein Auto dort abgestellt. Pragmatisch vielleicht, aber nicht im Sinne des Ratsbeschlusses, Autos immer weiter von der Sebastianusstraße fernhalten zu wollen. Deshalb die Poller. Die würden noch optisch angenehmer gestaltet, sagt Hölters, bleiben aber bis zum Frühjahr, bis über das endgültige Aussehen der Straße entschieden wird. „Schneller schaffen wir es nicht“, sagt Karbowiak.