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Piraten-Spitzenkandidat Joachim Paul: „Wir müssen uns charakterisieren“

Piraten-Spitzenkandidat Joachim Paul: „Wir müssen uns charakterisieren“

Joachim Paul, NRW-Spitzenkandidat der Piraten, tritt in Neuss an.

Neuss. Personen, die sich markant aus der Partei herausheben, sind bei den Piraten eigentlich nicht gewünscht. Mit Joachim Paul aber steht als Spitzenkandidat in NRW und Direktkandidat in Neuss nun doch jemand im Rampenlicht.

Der 54 Jahre alte Medienpädagoge betont zwar, dass die Basis „bei wichtigen Fragen“ einbezogen werden müsse, verweist aber auf die Kompetenz von parteiinternen Arbeitskreisen, wie dem für Bildung: „Dort entsteht ein Fachurteil, dem die Basis folgen wird.“

Paul zeigt sich überzeugt, dass die Piraten auch mit unbequemen Einzelmeinungen leben müssen. Derzeit genieße die Partei eine Art Welpenschutz, der nach der Wahl aufgehoben sei. „Wir müssen dann belegen, dass unser Ziel, die Bürger mitzunehmen, umsetzbar ist“, sagt Paul. Wer gewählt wird, gehe auch eine Verpflichtung ein. „Wir müssen uns charakterisieren.“ Sprich: ein Profil zeigen.

Gleichzeitig betont Paul, dass sich die Piratenpartei derzeit noch im Aufbau befinde. „Wir werden von anderen Parteien und einigen Medien als naiv dargestellt“, kritisiert Paul. Dabei handele es sich um eine große Leistung, dass die Aktiven die Doppelbelastung aus Beruf oder Ausbildung und Parteiarbeit überhaupt bewältigen.

Eines der wichtigen Ziele der Piraten für den Landtag sieht Paul in der Entlastung der Kommunen. Ein Drittel der NRW-Kommunen befinde sich derzeit allerdings in der Haushaltssicherung, das mache den Gestaltungsspielraum gering. Vor allem junge Menschen müssten darunter leiden, zum Beispiel, wenn Jugendeinrichtungen von der Schließung bedroht seien. „Für Neuss sehe ich aber gute wirtschaftliche Chancen wegen des Hafens“, sagt er.

Seinen Fokus legt Paul auf das Thema Bildung: „Andere Länder investieren in diesem Bereich viel mehr.“ Die Piraten streben ein eingliedriges Schulsystem an, Paul will dieses aber nicht um jeden Preis durchsetzen. „Das lässt sich nicht verordnen. Wir müssen schauen, was die direkt Betroffenen wollen und bereit sind, mit umzusetzen.“

In Bezug auf andere Parteien erkennt Paul eine große Unsicherheit: „Sie wissen zurzeit nicht, wie sie uns anpacken sollen.“ Die Piraten seien auf jeden Fall bereit, den anderen Parteien die Hände zu reichen.