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Pfarrer halfen bei Festnahme: Prozessbeginn

Pfarrer halfen bei Festnahme: Prozessbeginn

Angeklagter soll in Pfarrbüro und Wohnung eingebrochen sein und Beute gemacht haben.

Neuss. Nach Überfällen und Einbrüchen bei zwei Neusser Pfarrern muss sich ab Ende Mai ein 21 Jahre alter Mann aus Äthiopien vor dem Neusser Amtsgericht verantworten. Der Adoptivsohn einer Familie aus dem Rheinland soll zwischen Ende März und Anfang April gleich mehrfach in das Pfarrbüro und eine Pfarrer-Wohnung am Marienkirchplatz eingedrungen sein und Beute gemacht haben. Jetzt droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.

Der Angeklagte gilt als mehrfach vorbestraft. So soll er in den vergangenen Jahren wegen Einbrüchen und Raubüberfällen bereits im Gefängnis gesessen haben. Obendrein steht er aktuell im Verdacht, am Haus seiner Adoptiveltern Feuer gelegt zu haben.

In Neuss soll er erstmals am 27. März aufgefallen sein. Laut Ermittlungsakten hatte er damals bei Pastor Michael Nienaber geklingelt und um Essen gebeten. Nienaber soll den Angeklagten daraufhin hinein gebeten und ihm ein Frühstück spendiert haben. Anschließend soll der 21-Jährige zwar die Wohnung, aber nicht das Haus verlassen haben. Unter einem Vorwand soll er sich mit Hilfe der Putzfrau erneut Zugang zur Wohnung verschafft und dort die Brieftasche des Pastors und wertvolle Goldmünzen gestohlen haben.

Eine Woche später tauchte der Afrikaner dann laut Ermittlungen erneut am Marienkirchplatz auf. Laut Anklage hatte er die Tür zum Pfarrbüro aufgebrochen. Hier wurde er von Pfarrer Wilfried Korfmacher gestellt, dieser rief auch die Polizei. Als die Beamten vor Ort erschienen, war dem mutmaßlichen Einbrecher allerdings schon die Flucht gelungen.

Wenige Tage später lief der Angeklagte dann den Geistlichen wieder über den Weg. Laut Ermittlungen hatte er erneut Hunger und bat um eine Mahlzeit. Pastor Nienaber bat den jungen Mann trotz der Vorgeschichte herein, rief aber mit Hilfe von Pfarrer Korfmacher die Polizei. Diese nahm den Mann fest.

Zuständig für den Prozess ist Jugendrichter Heiner Cöllen. Zum Tatzeitpunkt war der Angeklagte noch 20 Jahre alt. Der Prozess beginnt am 31. Mai. Die Geistlichen werden als Zeugen vernommen.