PCB: Neuer Schulkomplex in Sicht?

PCB: Neuer Schulkomplex in Sicht?

Messungen sollen Werte auch für Haupt- und Realschule aufzeigen. Bürgermeister erwägt einen Abriss.

Neuss. Die Ergebnisse neuer PCB-Messungen an der Dreikönigen-Grundschule an der Weberstraße könnten ungeahnte Folgen haben. Wie Bürgermeister Herbert Napp am Freitag bekräftigte, sollen nun auch die benachbarten, in gleicher Zeit entstandenen Gebäude der Realschule Südstadt und der Maximilian-Kolbe-Hauptschule neu untersucht werden. „Sind die Werte entsprechend, werden wir die Sanierungskosten prüfen. Und dann vielleicht alle drei Schulen abreißen lassen.“ Entstehen würde ein neuer Schulkomplex — für eine Gesamtschule oder Sekundarschule? Napp schließt das nicht aus.

Die Vorgeschichte liegt lang zurück. Vor elf Jahren ließ die Stadt in allen in den 70er und 80er Jahren gebauten Schulen die Raumluft auf den Stoff PCB untersuchen. Die Ergebnisse, damals nicht veröffentlicht, zeigten Sanierungsbedarf an neun Schulen. Zwar wurde in keinem Gebäude eine gesundheitsgefährdende Konzentration mit mehr als 3000 Nanogramm pro Kubikmeter festgestellt. An neun Schulen lagen die Werte aber über 300 ng/m³.

Seitdem wird saniert. 10 Millionen Euro sind für die Arbeiten veranschlagt. Die aufwendigen Maßnahmen könnten bis zu zwei Drittel von Neubaukosten erfordern, sagt Napp. Somit wurden zunächst Schulen saniert, an denen ohnehin Umbauarbeiten anstanden.

An diesen Schulen lagen die Werte zwischen 300 und 3000 Nanogramm je Kubikmeter Luft. Die gesetzliche Richtlinie empfiehlt in diesem Fall, die Quelle aufzuspüren und „unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig zu beseitigen“. Beide Begriffe sind auslegungsfähig.

Fünf Schulen sind komplett saniert, an der sechsten ist man fast fertig, am Humboldt-Gymnasium wurde begonnen, dann sollte die Dreikönigenschule folgen. Nach Beschwerden einer Mitarbeiterin wurde im Februar zu Karneval in ungelüfteten Räumen an 38 Punkten nochmals gemessen. Die Werte sind jetzt öffentlich: Sie zeigen eine große Spannbreite zwischen 289 und 944 ng/m³ in den Klassenräumen und bis zu 2133 Nanogramm in einem Flur.

Nun hat Bürgermeister Napp auch für die benachbarte Real- und Hauptschule neue Messungen in Auftrag gegeben; die Ergebnisse von 2001, sagt er, seien gering gewesen. Sollten sich nun andere Werte ergeben, müsse „seriös nachgedacht werden“, ob angesichts hoher Sanierungskosten ein Abriss und Neubau vorzuziehen sei. Dass ein solcher Neubau andere Schultypen aufnehmen würde als bisher, erscheint wahrscheinlich. Entscheiden muss der Rat.

In etwa zwei Wochen sollen die Ergebnisse für die beiden Nachbarschulen vorliegen, auch sie werden ins Netz gestellt. In der Zwischenzeit hat die Stadt einen Moderator beauftragt, Kontakt zu Lehrern, Eltern und Mitarbeitern der OGS aufzunehmen. Auch in der Ratssitzung am 22. Mai wird es um das Thema gehen. Die Fraktion Unabhängige/Linke hat einen entsprechenden Antrag zur Belastung in Schulen und Kindergärten gestellt.