Hansetag 2022 in Neuss Mit- und Füreinander in schwierigen Zeiten

Neuss · Der Wirtschaftswissenschaftler Paul J. J. Welfens betont die Bedeutung des Hanse-Gedankens für Europa.

 Paul J. J. Welfens blickt auf den Hansetag und seine Bedeutung.

Paul J. J. Welfens blickt auf den Hansetag und seine Bedeutung.

Foto: EIIW

(abu) Der Hansetag in Neuss hat nicht nur als Fest des internationalen Miteinanders ein Zeichen der Völkerverständigung und Lebensfreude ausgesandt. Er setzt auch in angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine schweren Zeiten ein Zeichen. Der Neusser Wirtschaftswissenschaftler Paul J. J. Welfens, Präsident des Europäischen Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW) an der Bergischen Universität Wuppertal, betont, dass von Begegnungen wie dem Hansetag ein neuer europäischer Optimismus ausgehen könne. „Es gibt immer etwas zu kooperieren und voneinander zu lernen“, erklärt Welfens. Die Hanse-Integration sei eine Erfolgsgeschichte und habe wichtige Weichen für das heutige Europa gestellt.

Welfens betont, dass der Hanse-Gedanke auch als „eine frühe Form einer beinahe paneuropäischen Union, basierend auf Handel und Prinzipien von Schutz, Frieden und freiem Güterverkehr oder Güterverkehr zu besseren Konditionen“ mit entsprechend verankerten Handelsregeln und -privilegien gesehen werden könne. „Die Hanse war mehr als nur ein reiner Handelsverband – im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zu einem Städteverbund, dessen Bündnis sich nicht alleine auf das Kaufmännische beschränkte“, erklärt Welfens. „Die wirtschaftlichen Interessen der historischen Hanse endeten nicht im rein kaufmännischen Bereich, sondern erstreckten sich schnell auch auf infrastrukturelle, rechtliche und sicherheitspolitische Vorhaben, die ihre Handelstätigkeit sicherten.“

Diesen Gedanken schreibe die moderne Hanse, die 1980 im niederländischen Zwolle zusammenfand, fort. „Es geht bei der modernen Hanse nicht nur um mehr Miteinander in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Freizeit, sondern auch um mehr Füreinander in einer politisch-ökonomisch-psychologisch schwierigen Zeit“, erklärt Welfens. Als „Eckpunkte-Probleme“ nennt er die Corona-Pandemie und ihre Folgen, aber auch den Ukraine-Krieg „als für Europa und die Welt schockierendes Ereignis – zunächst als tragisches Geschehen in der Ukrainer, aber auch als weiteren Impuls einer allgemeinen Verunsicherung und eines breiten internationalen Vertrauensverlustes“.

Welfens betont, wie wichtig der Austausch ist, nicht nur von Gütern und Ideen, sondern eben auch im persönlichen Gespräch wie beim Hansetag. Der Hanse-Gedanke, so die Botschaft, als Ausgangspunkt nicht nur für gegenseitiges Verständnis, sondern auch für verlässliche Politik, wirtschaftliche und soziale Integration sowie die gemeinsame Entwicklung von Problemlösungen, zum Beispiel mit Blick auf den Klimaschutz oder internetbezogener Wirtschaftsmodernisierung.

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