Ohne die Wahlhelfer geht nichts

Ohne die Wahlhelfer geht nichts

Etwa 1000 Helfer garantieren den ordnungsgemäßen Ablauf den Wahl.

Neuss. „Den Wahlzettel für die Europawahl in die rechte Urne, die beiden anderen bitte hier links.“ Wie oft Thomas Martin das am Sonntag gesagt hat, weiß er vermutlich gar nicht. Thomas Martin ist Wahlvorstand im Wahllokal des Martin-Luther-Hauses an der Drususallee.

Foto: Marek

„Dieses Wahllokal betreue ich zum zweiten Mal, davor habe ich schon in mehreren anderen Bezirken den Dienst übernommen“, sagt Martin, der im Ordnungsamt arbeitet. Vier Helfer in der ersten und vier in der zweiten „Schicht“ achten an diesem Super-Wahlsonntag, an dem neben dem Stadtrat und Kreistag auch das Europaparlament gewählt wird, darauf, dass alles korrekt abläuft. Von jedem Wähler wird die Wahlbenachrichtigung entgegengenommen und der Personalausweis überprüft, dann der Name in einer Wählerliste abgehakt. Zum Schluss bekommt der Wähler die drei Stimmzettel.

„Das sind diesmal aber viele“, wundert sich eine ältere Dame, während sie hinter eine der zwei Wahlkabinen tritt. Vor Öffnung des Lokals wurden alle sieben Helfer von Thomas Martin vereidigt, die Stimmung ist heiter und gelöst. Man kennt sich. Helga Wownenko, ebenfalls bei der Stadt beschäftigt, ist zum zweiten Mal dabei. „Es macht Spaß, hier zu helfen. Man kommt unter die Leute, und es geht sehr gesellig zu“, sagt sie.

Ilka Maark ist zum dritten Mal dabei. Die Pädagogin hat einen Bekannten als Wahlhelfer rekrutiert, Dietmar Schmidt. Er hatte schon in der Zeitung gelesen, dass Wahlhelfer gesucht werden, und wollte gern mitmachen.

Kurz vor 11 Uhr erscheint Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der im Wahlbezirk wohnt, mit zwei Söhnen. Matthias ist 16 und darf zum ersten Mal bei der Kommunalwahl mitmachen: Er sagt: „Es interessiert mich, was politisch in der Stadt passiert.“

Dass sich Jugendliche nicht für die Wahlen interessieren, kann man hier nicht sagen. Lucca Goda (17) kommt mit ihrer Mutter. „Diesmal kann ich zwar nur an der Kommunalwahl teilnehmen, aber auch die Europawahl war an meiner Schule in England ein Thema“, sagt Goda.

Obwohl die Wahlbeteiligung bei Europawahlen 2009 in Deutschland und auch EU-weit nur bei 43 Prozent lag, betonen fast alle an diesem Tag angesprochenen Neusser Wähler, dass ihnen die Wahl des Europäischen Parlaments genauso bedeutsam wie die des Stadtrates sei. „Gerade jetzt ist es absolut wichtig, wählen zu gehen, wie man an der Osteuropa-Krise sieht“, sagt Steffan Pasthor. „Ich gehe immer wählen, denn das ist unser demokratisches Recht und unsere Chance, unsere Meinung zu äußern“, meint auch Erik Schürmann.

Im benachbarten Wahllokal im Quirinus-Gymnasium kann auch über die kommunale Vertretung der Migranten, den Integrationsrat, abgestimmt werden. Neben ausländischen Mitbürgern sind auch eingebürgerte Deutsche und deutsche Kinder ausländischer Eltern zur Wahl aufgerufen. Diese Wahl läuft zumindest in der Anfangsphase eher schleppend.

Um 18 Uhr beginnt für die Wahlhelfer die Auszählung. Erste Tat: Die Prüfung, ob in jeder Wahlurne die richtigen Zettel eingeworfen wurden. Dann gilt es, deren Gültigkeit zu prüfen, schließlich werden sie den Parteien zugeordnet und gezählt. „Wenn alles glattläuft, haben wir zwei Stunden später die Ergebnisse, die wir dem Wahlamt telefonisch mitteilen“, sagt die stellvertretende Wahlamtsleiterin Heike Löttners. Bis dahin wird das Wahlhelferteam vom Hausmeister des Gymnasiums mit frischem Kaffee und anderen Getränken versorgt. Den Proviant haben sich die Helfer selbst mitgebracht.

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