Nur ein PR-Gag: Neusser Agentur organisiert Shitstorms durch Obdachlose

Nur ein PR-Gag: Neusser Agentur organisiert Shitstorms durch Obdachlose

Caveman Guerilla Marketing machte mit dem Angebot Schlagzeilen, gegen Bezahlung Stimmung im Netz zu machen. Am Ende war es nur ein Fake.

UPDATE 5.4.: Inzwischen hat Oliver Bienkowski erklärt, dass es sich bei der Aktion nur um einen PR-Gag gehandelt hat. Ziel der Aktion sei es gewesen, auf das Schicksal der 580000 Obdachlosen in Deutschland aufmerksam zu machen. Unten unsere Original-Berichterstattung vom 4. April:

Neuss. Damit hatte der Hamburger Versandhändler Otto nicht gerechnet. Mehr als 100 Otto-Kunden beschwerten sich auf der Facebook-Seite des Unternehmens über ein T-Shirt für Mädchen. „In Mathe bin ich Deko“ stand auf dem Textil, die Empörung im Internet veranlasste den Konzern, das Produkt vom Markt zu nehmen.

Die Macht des Internetnutzers ist groß. „Shitstorm“ ist die Bezeichnung für das digitale Aufregen Vieler über ein Thema.

Diese Shitstorms könnten in Zukunft noch größer und zielgerichteter sein. Denn die Neusser Agentur Caveman Guerilla Marketing bietet die Empörung im Netz als Auftragsarbeit an. Der Kunde kann zwischen vier Paketen wählen, der kleinste „Shitstorm S“ kostet 5000 Euro.

Wer sich über seinen Mobilfunkanbieter oder das Verschwinden seines Lieblings-Müslis beschweren will, für den will Caveman 100 Kommentare auf die Facebook-Seite des betreffenden Unternehmens schreiben. Dazu kommen 500 Klicks auf den „Gefällt mir“-Button. Fertig ist der „Shitstorm“ in der Größe wie bei dem Otto-Konzern.

Doch wer schreibt die vielen Kommentare? „Über meinen Verein ,Macher e. V.’ stellen wir Obdachlosen Räume zur Verfügung. Sie schlafen in von uns bezahlten Hotels und stellen freiwillig in unseren Räumlichkeiten Shitstorms zur Verfügung“, sagt Oliver Bienkowski, Geschäftsführer bei Caveman.

Obdachlose, die sich für eine warme Unterkunft die Fingerkuppen blutig schreiben? Oder doch nur ein PR-Gag? Darüber schweigt sich Bienkowski — ebenso wie über seine Kunden — aus, sagt aber: „Wenn dadurch in kommenden Wintern Obdachlose vor dem Erfrieren gerettet werden, ist es alle Mühe wert.“

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