Nikki Johnstone läuft Bestzeit in Neuss

Nikki Johnstone läuft Bestzeit in Neuss

Zwar verzeichnete der Sommernachtslauf weniger Finisher als im Vorjahr, die Veranstalter waren dennoch zufrieden.

Neuss. Glück gehört auch dazu. Als sich das heftige Gewitter mit dicken Regentropfen breit machte, war der 36. Neusser Sommernachtslauf bereits Geschichte. Und Mario Meyen, Vorsitzender der veranstaltenden TG Neuss, hatte trotz der diesmal nur 2892 Läufer im Ziel (537 weniger als im Vorjahr) gut gelaunt sein Fazit gezogen. Ihm sei schon beim Aufbau am Morgen die ganz spezielle Atmosphäre dieser Auflage aufgefallen, sagte er: „Obwohl einige Sorge hatten, dass es ohne Marc Hillen nicht gehen würde, lief heute alles wie auf Schienen. Letztlich besteht der harte Kern der Helfer nur aus rund 30 Leuten, aber da weiß halt jeder, was zu tun ist.“

Foto: Andreas Woitschützke

Hillen, der sich mit seiner Agentur h1 seit 2009 im Auftrag der Turngemeinde um die Organisation des 1983 zum ersten Mal ausgerichteten Volksfests kümmert, befindet sich nach einer schweren Operation auf dem Weg der Besserung. Im Krankenhaus dürfte er mit Freude erfahren haben, dass „seine“ als ein „klassischer Vereinslauf“ aufgestellte Veranstaltung auch sportliche Höhepunkte zu bieten hatte.

Foto: Andreas Woitschützke

So verbesserte Nikki Johnstone (Asics Frontrunner) bei seinem zweiten Triumph in Folge über zehn Kilometer in 31:14 Minuten seine persönliche Bestzeit um gut sechs Sekunden. Ein echter Coup, schließlich war es am Samstag auch noch am frühen Abend drückend heiß. Zudem hat der als Lehrer an der Internationalen Schule (ISR) in Neuss tätige Schotte in den vergangenen fünf Wochen Marathonläufe in Düsseldorf, München, Mannheim, Essen und Duisburg bestritten. „Ich kann einfach nicht genug bekommen“, stellte der Vielstarter fest und fügte schmunzelnd hinzu: „Und in Neuss muss ich einfach dabei sein.“

Schade fand er nur, dass sein Dauerrivale Habtom Tedros (TG Neuss) früh abreißen lassen musste und am Ende in 32:33 Minuten abgeschlagen Platz zwei belegte. „Zusammen wären wir noch schneller gewesen“, sagte Johnstone. Tedros sah ebenfalls noch Verbesserungspotenzial: „Ich wollte gewinnen, kann aber nicht so trainieren wie Nikki. Mehr ging nicht.“

Zur klaren Angelegenheit geriet auch das Rennen über 10 000 Meter bei den Frauen: Katja Kanditt (Mönchengladbacher LG) gewann in 41:46 Minuten ungefährdet vor Ute Spicker (Team Essen 99) in 44:22 Minuten. Über fünf Kilometer wiederholte der 18-jährige Sven Aßing (FC Straberg) in 16:42 Minuten seinen Sieg aus dem Vorjahr. Geschafft resümierte er danach: „Ich bin ans Limit gegangen.“ Nicht ganz zufrieden mit ihrer Siegerzeit von 18:38 Minuten war bei den Frauen Sonja Vernikov (Alemannia Aachen).

Die 128 Team-Staffeln setzten zum Abschluss den stimmungsvollen Höhepunkt. Nach großem Kampf über 4x1100 Meter rannte Hockey- Bundesligist HTC SW Neuss in der Besetzung Sebastian Flecken, Jan Mausberg, Henri Piel und Joshua Wolfram in 13:50 Minuten vor den in Badehosen laufenden Schwimmern des Neusser SV (Tom Hermanns, Jonas Koch, Florian Rec, Timon Schmitz/13:57) auf den ersten Platz. Bei den Frauen gewannen Novesias „MöchteGernGroßeMädels“ (Janne Gilges, Lisa Gilges, Valentina Kislich und Pauline Schädlich) in 17:30 Minuten.

Auch wenn die Marke von 3000 Finishern dieses Mal verfehlt wurde und weniger Zuschauer als im Vorjahr kamen — die Schätzungen der Experten lagen bei 10 000 bis 11 000 —, waren die Veranstalter „sehr zufrieden“, wie TG-Vorsitzender Meyen bestätigte.

Und Geschäftsführer Klaus Ehren erklärte: „Das Gewitter zog erst auf, als wir schon komplett abgebaut hatten. Auch von den Anwohnern sind keine Beschwerden gekommen. Und außer einigen Schürfwunden ist auch auf der Strecke nichts Gravierendes passiert. Nächstes Jahr knacken wir hoffentlich auch wieder die Marke von 3000 Finishern.“

Ohnehin sind Bestzeiten und Rekorde nicht alles, wie Ilse und Oliver Wolff beim Hand-in-Hand-Lauf demonstrierten. Mit ihrem kuschelig warmen Herz-Outfit gewannen sie nicht nur den Kostüm-Wettbewerb, sondern auch die Sympathien ihrer Mitläufer und der Zuschauer — und machten auf ihren gemeinnützigen Verein „Herzlauf Hilden“ aufmerksam.

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