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Neusser Steinmetzin erhält den Förderpreis der Düsseldorfer Jonges

Handwerk in Neuss :  Jonges zeichnen Neusser Steinmetzin aus

Die Steinbildhauer-Meisterin Cornelia Pastohr (42) erhält den Förderpreis Handwerk des Düsseldorfer Heimatvereins.

Vier Jahre war sie auf der Walz. Ihre Wanderjahre führten die Handwerkerin nach Mexiko und Lateinamerika, nach Sri Lanka und Australien sowie durch weite Teile Europas. Aber längst wurde sie in ihrer Heimatstadt wieder sesshaft. Im Gewerbegebiet an der Osterather Straße, nahe der Bockhaltstraße, hat die Steinmetz- und Steinbildhauer-Meisterin Cornelia Pastohr ihre Werkstatt mit Atelier. Jetzt fand die Arbeit der 42 Jahre jungen Frau bemerkenswerte überregionale Anerkennung: Sie erhält den mit 3000 Euro dotierten Förderpreis Handwerk der Düsseldorfer Jonges, dem größten Heimatverein in der Landeshauptstadt. „Ich war überrascht und bin stolz“, sagt Pastohr, „dass die Jonges mich gefunden haben.“

Erst zum zweiten Mal verliehen die Jonges diesen Förderpreis, der zur Premiere 2018 an den Stuckateur David Reingen ging. Nun also war die Neusserin Cornelia Pastohr an der Reihe, die im Rahmen eines Heimatabends vor 300 Gästen im Henkel-Saal, Altstadt, ausgezeichnet wurde. Die Laudatio hielt Andreas Ehlert, der als Präsident die Handwerkskammer Düsseldorf führt.

Dass die Düsseldorfer Jonges die Neusser Handwerkerin gefunden haben, überrascht am Ende nicht, denn Cornelia Pastohr arbeitet auch regelmäßig in der Nachbarstadt, insbesondere auf dem Nordfriedhof. Aber Grabstein-Aufträge sind nur eine von drei Säulen, die ihr Geschäft tragen. Da ist vor allem die Denkmalpflege mit dem Instandsetzen alter Bausubstanz. Immer wieder legt Cornelia Pastohr gemeinsam mit ihren beiden fest angestellten Mitarbeitern und den drei mit ihr kooperierenden Subunternehmern Hand an Kirchen und Hausfassaden an. So wirkte sie an der Dreikönigenkirche und am Marienberg-Kloster. Ihre in Neuss womögliche sichtbarste Spur hinterließ Pastohr mit der Fassadensanierung der so genannten Busch-Häuser an der Münsterstraße, die Josefsfigur inklusive.

Zu ihrem beruflichen Spektrum gehören auch Kunst und Kultur. Alljährlich bietet Cornelia Pastohr auf ihrem Werkstatt-Gelände eine zweitägige Jahresausstellung an. „Meist entwickele ich Ideen mit meinen Kunden gemeinsam“, sagt Pastohr. Das gilt für Kunstobjekte, das gilt aber auch für Grabsteine – die dritte Säule ihres Geschäfts. Wer einen Grabstein bei Cornelia Pastohr in Auftrag gibt, der erhält ein Unikat. Die Steinmetzin steigt zu Beginn in einen Dialog mit dem Auftraggeber ein, um den Stein individuell zu gestalten, Bezüge zum Verstorbenen, zu seinem Leben und zu seiner Familie einfließen zu lassen. Grabsteine to go sind Pastohrs Sache nicht.

Wer den B-Teil des Neusser Hauptfriedhofes vom Eselspfad aus betritt, kann bereits nach wenigen Metern rechter Hand das Grab ihrer Familie entdecken. Den Stein hat natürlich Cornelia Pastohr geschaffen. Allein durch das kunstvolle Schleifen der Steinvorderseite entstand ein Schattenkreuz. Ein Beispiel von vielen, wie Grabsteine Totengedenken und (Handwerks-)Kunst zusammenbringen – eine faszinierende Arbeit für den Betrachter, der sich Zeit nimmt, um zu sehen.

Cornelia Pastohr ist ein echtes Neusser Mädchen. 1979 in Neuss geboren, wuchs sie auf der Furth im Kolpingviertel auf, besuchte die Realschule an der Frankenstraße, das Abitur in Kunst, Kulturgeschichte und Gestaltung schloss sich in Düsseldorf an. Praktika, Ausbildung, Lehr- und Wanderjahre folgten. Von der Walz nach Neuss zurückgekehrt, arbeitete sie zwei Jahre im Atelier des Bildhauers Jürgen Zaun, ehe sie „meinen Meister am Düsseldorfer Südfriedhof gemacht hat“. Bereits 2009 wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit – einen Schritt, den sie nie bereut hat.

Frauen sind in der Branche keine Rarität, aber zumeist führen sie den elterlichen Betrieb weiter. Sie ging ihren eigenen Weg, liebt den kreativen Gestaltungsspielraum und die Arbeit mit und in der Natur. Gern möchte sie ihren Begeisterung an Jüngere weitergeben. Doch auch „aggressive Suche nach Auszubildenden“ blieb ohne Erfolg. Zuletzt gab ein junger Mann in der Lehrzeit auf. Sie würde sofort einen geeigneten Bewerber oder geeignete Bewerberin einstellen, aber sie fürchtet: „Die Vorstellung von harter Arbeit schreckt junge Menschen ab.“ Sie hofft, „dass das Handwerk jetzt doch noch die Kurve kriegt“, denn es sterbe gerade aus. Cornelia Pastohr will gegensteuern. Mit kreativen Arbeitsergebnissen, mit Begeisterung und sie setzt darauf, dass auch der Förderpreis Handwerk der Düsseldorfer Jonges anziehend auf junge Menschen wirkt.