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Neusser Hafen: Umdenken in der Logistik

Neusser Hafen: Umdenken in der Logistik

Transportmengen werden sich bis 2030 verdoppeln. Häfen müssen reagieren.

Neuss. Wenn die kurz vor dem Abschluss stehende weitreichende Kooperation der Neuss Düsseldorfer Häfen (NDH) mit dem Kölner Hafen in den Bereich der Kirchturmpolitik gerückt wird, dann geht es um die Logistik-Entwicklung der kommenden 20 Jahre. Rainer Schäfer, Häfen-Geschäftsführer und Präsident des Bundesverbandes Öffentlicher Binnenhäfen, zeigte am Donnerstag die Perspektiven der Branche in diesem Zeitraum auf. Beeindruckend oder beängstigend? Die Zahlen belegen jedenfalls: Auch die Binnenhäfen müssen sich auf eine Verdopplung der Umschlagmengen einstellen.

Beim Logistiktag in der Pegelbar kamen am Donnerstag auf Einladung der Neuss Düsseldorfer Häfen, der Hochschule Neuss für internationale Wirtschaft und der Bundesvereinigung Logistik Fachleute zum Meinungsaustausch zusammen. Dabei drehte sich alles um die Hinterlandlogistik: Wie schaffen es die Binnenhäfen in NRW, die immer größer werdenden Warenströme aus den Seehäfen zu bewältigen?

Wie gelingt es umgekehrt den Seehäfen, die ständig wachsenden Mengen, die von Shanghai bis Singapur auf immer größeren Schiffen nach Rotterdam und in andere Häfen gefahren werden, möglichst schnell umzuschlagen und in die Binnenhäfen zu schaffen — damit auch möglichst schnell wieder Platz für neue Fracht da ist?

Die Seehäfen, aber auch die Nachbarn in den Niederlanden und Belgien seien in den Vorbereitungen auf das, was zu erwarten ist, deutlich weiter als wir, belegte Schäfer. Rotterdam schafft mit der zweiten „Maas-Vlakte“ einen gigantischen, 2000 Hektar großen Hafen-Anbau in die Nordsee hinein, Antwerpen rüstet auf, die einstigen Konkurrenten arbeiten zudem immer enger zusammen. Binnenhäfen nahe der deutschen Grenze von Venlo über Walsum bis Lüttich investieren massiv.

Schäfer nannte die Prognosen der Seehäfen. 430 Millionen Tonnen wurden 2010 von Rotterdam aus auf Binnenschiffe umgeschlagen, in Antwerpen waren es 90 Millionen Tonnen — Mengen, die sich bis 2030 fast verdoppeln werden. 100 000 Schiffe fuhren vor zwei Jahren mit Gütern aus Rotterdam, Antwerpen, Zeebrügge und Rotterdam in NRW über den Rhein.

„2030 könnten bis zu 200 000 Schiffe bis zu 200 Millionen Tonnen über den Rhein nach Nordrhein-Westfalen bringen“, sagt Schäfer, der selbst von der „Wucht der Zahlen“ spricht. Wie das zu bewältigen sein wird, wissen auch die Logistikexperten noch nicht im Detail.

Doch auch im Neusser Hafen deutet sich die Entwicklung an. Maersk, Gigant der Container-Reeder, hat ein eigenes Terminal errichtet, ECT, der allein in Rotterdam drei große Terminals besitzt, hat nun auch im Hinterlandhafen Neuss eine Außenstelle.

Die Gründung der Rheincardo, der Kooperationsgesellschaft mit Köln, sieht Schäfer auch als einen Schritt auf dem Weg in die Logistik-Zukunft. Doch er stellt klar: Rheincargo ist nicht das Ende. Der Standort, und das sei mehr auch als ein Rheinlandcluster, „muss für große Player attraktiv bleiben.“