Neuss: Zertifiziertes Brustzentrum im Johanna-Etienne-Krankenhaus

Johanna-Etienne-Krankenhaus : Gemeinsamer Kampf gegen Brustkrebs

Das Brustzentrum im Johanna-Etienne-Krankenhaus setzt auf persönliche Betreuung.

Als sie am frühen Vormittag routinemäßig als Patientin im Brustzentrum des Johanna-Etienne-Krankenhauses (JEK) war, ahnte Marion Roschmann noch nicht, dass sie kurz darauf die Hauptperson beim geplanten Pressegespräch sein würde. Anlässlich der bekannt gewordenen Brustkrebserkrankung der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wollte das JEK auf die Leistungen des zertifizierten Brustzentrums unter Leitung von Professor Matthias Korell, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, aufmerksam machen. Doch statt nüchterner Daten rund um Operationsstandardverfahren, Strahlen- und Chemotherapien sowie Zertifizierungsvorgaben für den Titel „zertifiziertes Brustzentrum“, gab es sehr persönliche Eindrücke.

Diese ermöglichte Marion Roschmann, die sich spontan bereit erklärt hatte, aus Patientensicht zu erzählen. „Die Diagnose Brustkrebs ist ein Schock. Man ist wie in einem Vakuum“, erzählt sie. „Es hat mir aber sehr geholfen, dass mir so viel Mitgefühl entgegengebracht wurde.“ Vor allem die persönliche Betreuung durch „ihre“ Vertrauensperson sei sehr wichtig für sie gewesen. Diese persönlichen Betreuer gebe es bereits seit vielen Jahren am JEK. Es sei damit unter den Vorreitern gewesen, sagt Korell. „Sie sind persönliche Manager für betroffene Patientinnen. Den offiziellen Titel Vertrauensperson an zertifizierten Zentren gibt es erst seit 1. Januar 2019“, so der Chefarzt. Michaela Stroh ist eine von vier Vertrauenspersonen – darunter ein männlicher Kollege – am Tumorzentrum des JEK.

Die Krankenschwester, die eine zweijährige Fachweiterbildung für Onkologie absolviert hat, ist feste Ansprechpartnerin für ihre jeweiligen Patientinnen. „Wir stellen Patientenmappen mit allen Befunden zusammen, sorgen für sozialrechtliche sowie psycho-onkologische Beratung und informieren über Hilfsangebote für Partner und Kinder“, zählt Stroh auf. Zu den Patientinnen nimmt sie spätestens während des stationären Aufenthalts Kontakt auf. Wie ein Lotse begleite sie dann die weitere Beratung und Betreuung – auch über den stationären Aufenthalt hinaus. Zudem gibt es eine 24-Stunden-Hotline im Brustzentrum.

Diese verschiedenen Angebote seien vorbildlich und hätten ihr bislang sehr geholfen bei ihrem persönlichen Kampf gegen den Krebs, sagt Marion Roschmann und lässt ihre Krankheitsgeschichte Revue passieren: Es war ein Samstagabend vor sechs Monaten, als sie den „Knubbel“ an ihrer Brust spürte. Marion Roschmann und ihr Mann durchlitten ein Wochenende voller diffuser Ängste und Sorgen, die am Montag darauf zu trauriger Gewissheit wurden. „Mein Gynäkologe kam bereits nach dem Ultraschall zu dem Befund, dass ich einen bösartigen, über drei Zentimeter großen Tumor habe“, erinnert sie sich. Die anschließende Mammographie bestätigte die Diagnose. Drei Tage später hatte Roschmann ihren ersten Termin im Brustzentrum am JEK.

Belastende Behandlungen folgten darauf: Biopsie, Brustamputation, Implantat-Einsatz, Chemotherapie. Das Rezidiv-Risiko – also das Wiederauftreten der Erkrankung – ist hoch, vier Chemotherapien hat sie hinter sich, zwölf weitere folgen. Die Nebenwirkungen sind heftig: Magenschmerzen, Übelkeit, starke Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit. Es sei ein harter, schmerzhafter Weg, so Roschmann, „doch zum Glück ist die Betreuung unfassbar gut“.

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