Entscheidung ist gefallen Neuss macht das LaGa-Rennen

Update | Neuss · Unter drei Bewerbern fiel die Wahl der Landesregierung am Ende auf Neuss. Begründung: Die Entwicklung der brach liegenden Rennbahn dulde kein weiteres Abwarten.

 Ministerin Heinen-Esser gratulierte Bürgermeister Reiner Breuer, Jörg Geerlings MdL (3.v.r) und dem Laga-Kernteam der Stadtverwaltung.

Ministerin Heinen-Esser gratulierte Bürgermeister Reiner Breuer, Jörg Geerlings MdL (3.v.r) und dem Laga-Kernteam der Stadtverwaltung.

Foto: Christoph Kleinau

Lange war keine Entscheidung mehr mit so viel Spannung erwartet worden, doch am frühen Mittwochmorgen löste sich die Anspannung bei der kleinen Neusser Delegation in Jubel auf: Im Atrium ihres Ministeriums gab Landes-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser die Entscheidung der Landesregierung bekannt, dass Neuss den Zuschlag zur Ausrichtung der – inzwischen 20. – Landesgartenschau 2026 (Laga) erhält. Die Gemeinde Grefrath im Kreis Viersen, die 1970 schon einmal Laga-Stadt war, und das münsterländische Warendorf, das sich zum zweiten Mal beworben hatte, haben als Mitbewerber das Nachsehen.

Michael Becker, Sprecher der zehnköpfigen Beratungskommission, betonte, dass er noch nie einen so harten Wettkampf erlebt habe und das Rennen noch nie so eng gewesen sei. Alleine die Schlusssitzung habe Stunden gedauert. Am Ende aber stand eine Empfehlung, die offenbar so begründet und nachvollziehbar war, dass sich ihr die letztlich ausschlaggebenden Ministerinnen Ina Scharrenbach (Heimat, Kommunales, Bauen) und Ursula Heinen-Esser (Umwelt, Landwirtschaft) anschlossen.

Erforderliche Neugestaltung des ehemaligen Rennbahngeländes

Neuss bekommt den Zuschlag, weil die Stadt es am nötigsten hat. Das sagt eine Ministerin so natürlich nicht. Die Bewertungskommission sei überzeugt, formulierte es Heinen-Esser freundlicher, dass die Landesgartenschau das richtige Mittel ist, um den Herausforderungen zu begegnen, die sich für die Stadt aus der erforderlichen Neugestaltung des ehemaligen Rennbahngeländes ergeben würden. „Ohne eine zügige Gestaltung des Geländes würde ein Verfall der Fläche mit der damit verbundenen negativen städtebaulichen Entwicklung erfolgen“, sagte die Ministerin. Sie sprach von großem und dringendem Handlungsbedarf und davon, dass nach Überzeugung der Bewertungskommission ein weiteres Abwarten nicht möglich ist. Das gab den Ausschlag. Oder, ministeriell positiv formuliert: „Eine negative Entwicklung kann durch Zuschlag für die Landesgartenschau verhindert werden.“

Mit dem Zuschlag ist nicht nur die unmittelbare Zusage für einen Landeszuschuss in Höhe von sechs Millionen Euro verbunden, sie verbessert auch die Aussichten auf projektbezogene Fördergelder zur Umsetzung der mit der Laga 2026 verknüpften städtebaulichen Vorhaben. Insgesamt hat die Stadt ein Investitionsvolumen von 45,3 Millionen Euro berechnet und kalkuliert – bei einem Eigenanteil von 15,7 Millionen – alleine aus Fördermitteln des Landes 23,9 Millionen Euro ein.

Andererseits, so hatte Bürgermeister Reiner Breuer in der Vergangenheit immer vorgerechnet, müsste die Stadt so oder so in die Rennbahn finanzieren. Eine Laga brächte allerdings einen deutlichen Mehrwert, den auch Heinen-Esser ansprach. Der zum Bürgerpark umgestalteten Rennbahn käme auch eine Scharnierfunktion für die nachhaltige Entwicklung angrenzender Stadtteile – Hammfeld, Alexianerpark, Etex-Gelände – und die Erschließung von Zugängen zum Rhein zu.

Die Bewerbung zu versuchen, war im Herbst 2020 die erste große Entscheidung, die die neue Ratsmehrheit von SPD, Grünen und UWG/Aktiv herbeiführte. Daran erinnerte gleich nach Bekanntgabe der Landesentscheidung Arno Jansen von der SPD. „Wir haben gemeinsam mit unserem Bürgermeister von Anfang an für die Vision der Landesgartenschau gekämpft.“ Auch die FDP reklamiert das Erstgeburtsrecht für die Idee. „Ursprünglich war es unsere Initiative“, sagt der Parteivorsitzende Thomas Schommers. Alles Schnee von gestern. „Wir können uns gemeinsam freuen“, richtete denn auch der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings den Blick nach vorne: „Neuss wird von der Landesgartenschau profitieren.“

Stadtentwicklung nicht in Stein, sondern in Grün und Blau

Davon ist Bürgermeister Reiner Breuer überzeugt. „Wir werden die Chance, die uns das Land gibt, ergreifen, um unsere Stadt weiterzuentwickeln“, sagte er bei der Bekanntgabe in Düsseldorf zu. Er sprach davon, „Stadtentwicklung nicht in Steinen zu denken, sondern in Grün und Blau“. Denn Neuss will – so der Slogan der Bewerbung – „Gemeinsam an den Rhein“. Breuer sprach ferner von einer nachhaltigen Entwicklung, die eingeleitet werden soll. Zielrichtung: eine umweltgerechtere und klimaangepasstere Stadtentwicklung. „Das treibt alle Städte im Land um.“ Dass der Kurs richtig ist, unterstrichen erste Stellungnahmen. „Schöner und grüner“ solle Neuss werden, sagte Geerlings. Und Jansen ergänzt, die Laga sei die „einmalige Chance als Initialzündung für eine ökologische Entwicklung unserer Stadt“. Im Rat wird Breuer am Freitag aufzeigen, was nun zu tun ist. Dringlich ist vor allem, einen Wettbewerb zur Durchführung der „Laga 2026“ auf den Weg zu bringen. Das Büro Stephan Lenzen, mit dem Neuss die Bewerbung erarbeitet hatte, steht dafür nicht mehr zur Verfügung.

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