Neuss: Träumen mit der neuen Intendantin

Neuss: Träumen mit der neuen Intendantin

Bettina Jahnke inszeniert zum Auftakt das Stück eines schwedischen Filmautors. Zum Abschluss gibt’s Shakespeare.

Neuss. Endlich, sagt Bettina Jahnke, endlich gehe es vor allem ums Tun, weniger ums Reden. Vor einem Jahr wurde die Oberspielleiterin am Staatstheater Cottbus zur Intendantin gewählt. Am Montag stellte die künftige Chefin des Rheinischen Landestheaters, die offiziell im Sommer zur neuen Spielzeit ihren Dienst an der Oberstraße beginnt, den Spielplan vor. Bettina Jahnke will ihren Spielzeiten ein Motto geben, "Träumen" hat sie für ihr erstes Kapitel gewählt.

Gerade jetzt, in Krisenzeiten, sei das passend, konstatiert Bettina Jahnke und verspricht Visionen, Sehnsüchte, Wünsche - und Zündstoff. Zwölf Inszenierungen kündigt sie an. Zum Auftakt kommt "weder Nathan noch Faust" auf die Bühne, sondern ein Stück nach dem Film "Wie im Himmel" des schwedischen Autors Kay Pollak.

Ein ausgebrannter Stardirigent, der in seinem Heimatdorf die Ruhe sucht und sich zur Arbeit mit einem Laienchor überreden lässt: ein "eher programmatisches Ensemblestück" nennt die Intendantin, die zur Eröffnung auch inszenieren wird, das Werk zum Auftakt. Mitwirken wird der Chor des Quirinusmünsters. Und zur Premierenfeier im Foyer sollen alle singen: Schauspieler, Chor - und Theatergäste.

Werden die Dorfbewohner durch das Singen an ihre Sehnsüchte erinnert, so reißt die Wirklichkeit den jungen Törleß aus seinen Tagträumen: Der Musik-Klassiker steht gleich am Folgetag der Eröffnung an, und am Tag darauf geht es für die ganz kleinen Besucher und ihre erwachsenen Begleiter um den Traum der Kuh vom Fliegen.

Mit einem Kraftakt zum Auftaktwochenende stellt Bettina Jahnke sich und das Ensemble den Neussern vor. 17 Schauspieler wird es umfassen, drei mehr als zurzeit. Die Intendantin will weitgehend ohne Gäste auskommen.

Diese Truppe wird bis Mai 2010 Goethe, Sartre, Williams und Shakespeare spielen, aber auch "Die Gelobte", ein Stück des zeitgenössischen französischen Autors Xavier Durringer um Täter und Opfer im Krieg, "Country Music" des viel gespielten Gegenwartsautoren Simon Stephens oder "Die Ratte" von Justine del Corte, die ins Boulevardeske tendiert.

Sie möchte das Theater noch mehr für die Stadt öffnen, das RLT zu einem "Ort der Kommunikation" machen, sagt die künftige Intendantin und kündigt weitere Aktionen an: "Daran werde ich mich auch messen lassen."

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