Neuss: Tränen im Todesraser-Prozess von Stuttgart

Kaarst : Raserprozess: Eltern der Opfer sagen unter Tränen aus

Der Kaarster Riccardo und seine Freundin kamen im März ums Leben.

. Hochemotional ging es am Montag vor dem Stuttgarter Landgericht zu. Im Prozess um den mutmaßlichen Todesraser, dem vorgeworfen wird, für den Tod von Riccardo K. aus Kaarst (25) und seiner Freundin Jaqueline (22) verantwortlich zu sein, haben erstmals die Eltern der beiden Opfer ausgesagt. Der Vater von Riccardo trat mit einem schwarzen Poloshirt in den Zeugenstand, auf dem das Gesicht seines verstorbenen Sohnes abgedruckt wurde. Seine Aussagen sorgten auch unter den Zuschauern für Tränen. Er durchlebe jede Nacht aufs Neue, wie die Polizei an seiner Türe schellt und die unglaubliche Nachricht überbringt. Noch immer hätten er und seine Frau mit Schlafproblemen zu kämpfen.

Beide Elternteile hätten es besser gefunden, wenn Riccardo nicht nach Stuttgart gegangen wäre, um dort Teamleiter in einem Kino zu werden. Aber sie machten sich aufgrund seiner aufgeschlossenen Art nie Sorgen, dass er und Jaqueline Schwierigkeiten bekommen.

Riccardo sei bis zum letzten Atemzug Pfadfinder gewesen – seit er acht Jahre alt war. Einige seiner Pfadfinder-Freunde waren am Montag auch im Gerichtssaal und gaben den Eltern einen Brief, in dem sie auf ihre Beziehung zu Riccardo eingehen. Dieser wurde von Richterin Cornelie Eßlinger vorgelesen. Daraus geht hervor: Die Pfadfinder-Freunde sahen Riccardo als Familien-Mitglied, auch wenn sie nicht blutsverwandt waren. Sie beschreiben ihn als herzlich, humorvoll und sarkastisch. Jemand, der erwachsen wurde, aber noch das Kind in sich behalten konnte.

Mit Tempo 168 krachte der
Jaguar in den Kleinwagen

Zum Hintergrund: Seit dem 11. September muss sich ein 20 Jahre alter Azubi vor der Jugendstrafkammer in Stuttgart wegen zweifachen Mordes verantworten. Bei seiner Fahrt mit einem gemieteten Jaguar Anfang März dieses Jahres verlor er mit 168 Stundenkilometern in der Stuttgarter City die Kontrolle über das Auto und krachte in den Kleinwagen von Riccardo K. Für die beiden Insassen kam jede Hilfe zu spät.

Auch die Mutter von Jaqueline sprach am Montag über ihre Tochter. Die 22-Jährige sei immer ein aufgeweckter und fröhlicher junger Mensch gewesen. Mit vielen Hobbys und Freunden. Es war das einzige Kind der Eltern. „Jaqui“ habe immer so viel geredet. Und jetzt sei es einfach nur so still.

Nach den Vernehmung der Eltern herrschte im Saal tiefes Schweigen. Viele Menschen weinen, darunter auch der Angeklagte.

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