Neuss stellt Lärmaktionsplan mit 36 Maßnahmen vor

Neuer Plan mit 36 Maßnahmen : So will Neuss leiser werden

Die Stadt hat ihren Lärmaktionsplan überarbeitet. Zum Beispiel soll verstärkt Flüsterasphalt gelegt werden.

Neuss soll leiser werden. Um die Lautstärke in der Quirinus-Stadt um einige Dezibel „runterzudrehen“, hat die Verwaltung jetzt ihren sogenannten Lärmaktionsplan komplett überarbeitet. 36 Punkte umfasst die Maßnahmenliste. Aber was ist genau geplant?

Veränderungen kommen zum einen auf Verkehrsteilnehmer zu. So will die Stadt laufend prüfen, ob weitere Tempo-Limits auf 30 oder 40 Kilometer pro Stunde im gesamten Stadtgebiet eingeführt werden können. Das Thema Verkehr ist ein großer Komplex in der Maßnahmenliste. Es soll aber auch bei allen straßenbaulichen Aktivitäten der Stadt, bei denen die Straßen-Deckschicht erneuert wird, geprüft werden, ob sogenannter Flüsterasphalt genutzt werden kann. „Es wird immer dann erledigt, wenn es die Gelegenheit dazu gibt“, so Umweltdezernent Matthias Welpmann.

Stadt Neuss hat
„Ruhe-Oasen“ definiert

Die 2002 verabschiedete EU-Umgebungslärmrichtlinie verfolgt neben Lärmminderung aber auch das Vorsorgeprinzip. Das heißt, dass schützenswerte, insbesondere der Erholung dienende Gebiete, vor einer Lärm-Zunahme bewahrt werden sollen. In ihrem überarbeiteten Plan hat die Stadt Neuss nun einige solcher schützenswerten „Ruhe-Oasen“ definiert. Darunter sind zum Beispiel das „Jröne Meerke“, der Hauptfriedhof oder der Stadtgarten. Überraschend: Auch Kanaldeckel sind Schuld am Lärm in Neuss. Darum sollen zu große Höhenunterschiede zum Straßenbelag kontinuierlich angepasst haben. Auch die Ausweitung der leisen Elektrobusse bei den Stadtwerken, der Einsatz von modernen Reinigungs- und Entsorgungsfahrzeugen bei der AWL oder die dauerhafte beziehungsweise temporäre Abschaltung von Ampeln für besseren Verkehrsfluss sind darüber hinaus geplant. Bürger sollen sich zudem über eine stetig verbesserte Fahrrad- und ÖPNV-Infrastruktur freuen können.

Eine weitere neue Maßnahme betrifft auch den Neusser Hafen, eine der größten Lärmquellen in Neuss:

Bei Neugenehmigungen, Nutzungs- und Betriebsänderungen sowie bei Betriebserweiterungen müssen die Richtwerte der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (kurz: TA Lärm) an den entscheidenden Immissionsorten nicht um sechs, sondern um zehn Dezibel unterschritten werden.

Laut Stadt werden
Belastungsschwellen erreicht

Dadurch soll die hohe Lärm-Vorbelastung der benachbarten, östlichen Neusser Innenstadt durch Gewerbelärm besonders beachtet werden. „Lärm macht krank. Darum sollten wir alles dafür tun, dass unsere Bürger ihm nicht ausgesetzt sind“, so der SPD-Stadtverordnete Marc Vanderfuhr im jüngsten Umweltausschuss. Ein Lärmaktionsplan muss umgesetzt werden, sofern Bürger ab einem bestimmten Schwellenpegel belastet sind. Für Neuss liegen diese Schwellen bei 70 Dezibel (Gesamtbelastung) und bei 60 Dezibel in der Nacht. Nach Angaben der Stadt werden diese Belastungsschwellen erreicht. Eine Lärmaktionsplanung ist für Neuss somit notwendig. Doch Neuss startet nicht bei Null. So werden lärmmindernde Maßnahmen in Bebauungsplänen bereits festgesetzt. Der neue Lärmaktionsplanung ist aber lediglich ein Entwurf. Denn die Öffentlichkeit muss noch beteiligt werden. Dies soll im Rahmen einer öffentlichen Auslegung erfolgen. Der Plan wird dazu im Amt für Stadtgrün, Umwelt und Klima, im Amt für Stadtplanung sowie im Internet vom 27. August bis zum 27. September einsehbar sein. Der überarbeitete Lärmaktionsplan wird dann dem Ausschuss für Umwelt und Grünflächen nochmals zur Beratung vorgelegt und muss am Ende des Verfahrens vom Rat der Stadt Neuss beschlossen werden.

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