Neuss: Stadtwerke als Wirtschaftsmotor

Neuss: Stadtwerke als Wirtschaftsmotor

Analyse: Pestel-Institut erstellte Studie und untersuchte die Bedeutung der Stadtwerke für Kunden und die heimische Wirtschaft.

Neuss. Als Aufsichtsräte der Neusser Stadtwerke (SWN) dürften Jörg Geerlings und Thomas Nickel schon unangenehmere öffentliche Termine erlebt haben als diesen. Im Auftrag der SWN hat das Eduard Pestel-Institut für Systemforschung die "Bedeutung der Stadtwerke Neuss für die Region" wissenschaftlich untersucht und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Stadtwerke "jut für Neuss" sind - wie es das Unternehmen in seiner Werbebroschüre formuliert.

Wer Erdgas, Wasser oder Fernwärme von den Stadtwerken bezieht, der investiert in die heimische Wirtschaft. Das belegt die Studie, die die Stadtwerke im Sommer in Auftrag gegeben haben. Basis der Analyse waren die Geschäftszahlen auf dem Jahr 2007. Seit Anfang des Jahres liegen nun die Ergebnisse vor.

Auf die SWN kam eine Rechnung in fünfstelliger Höhe vom Institut aus Hannover zu. Eine Investition, die sich aber laut SWN-Geschäftsführer Stephan Lommetz gelohnt hat: "Wir wollten das Gefühl, das wir dem Bürger einen Mehrwert bieten, in belastbaren Zahlen zusammenstellen."

Die Stadtwerke investieren vor Ort, beschäftigen Mitarbeiter, führen Steuern und Gewinnanteile ab. Die Studie zeigt auch: Die SWN vergeben Aufträge an Firmen mit Sitz in Neuss. "Das hat sich etwa beim Bau von Wellneuss oder der Sanierung des Nordbades gezeigt", sagt NBE-Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Nickel und nennt einige Beispiele.

"Die Stadtwerke beschäftigen 550 Arbeitsplätze und sichern damit auch außerhalb des Unternehmens 602 Arbeitsplätze in Neuss und im Kreis, hat Institutschef Johannes Schaffner errechnet. "Das heißt, dass laut Studie etwa zwei Prozent aller Arbeitsplätze in Neuss direkt oder indirekt gesichert werden."

In anderen Kommunen, in denen Unternehmen von außerhalb zuständig seien, blieben all diese positiven Effekte auf der Strecke.

Aber die Studie sei auch wichtig, um sich im Wettbewerb zu positionieren. Denn immer mehr Anbieter auf dem Gasmarkt machen den Stadtwerken Konkurrenz, neu hinzugekommen ist zuletzt die "Energiehoch3" GmbH, eine Tochter der Gelsenwasser.

Die prozentual größte Wertschöpfung vor Ort löst der SWN-bereich "meine Freizeit" aus. "Von jedem beim Kunden eingenommenen Euro für Eintritte in den Bädern, Eissporthalle und Wellneuss fließen fast 78 Cent in den Rhein-Kreis Neuss" zurück", erläutert Schaffner. "Das beweist, dass unsere Entscheidung damals die Die Bäder und die Eissporthalle aus dem Eigenbetrieb der Stadt auszugliedern und in eine neue Tochter der Stadtwerke zu überführen, richtig war", so Nickel.

Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, bauen die Stadtwerke auf einen strategischen Partner, der das Unternehmen verstärkt und Kapazitäten zur Engeriegewinnung bietet. Denn die SWn will stärker und operativ in die Erzeugung und Beschaffung von Strom einsteigen. Die Stadtwerke sind derzeit mit drei Bietern weiter im Gespräch (Stadtwerke Düsseldorf, RWE Rhein-Ruhr, Rhein-Energie AG).

Spätestens für die letzte Ratssitzung vor der Sommerpause soll der geeignete Partner feststehen und eine Beschlussempfehlung für den Rat abgegeben werden.

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