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Neuss: So wappnen sich die Neusser nach den Hochwasserwarnungen

NRW : Furcht vor der Flutwelle

Wegen der Wassermassen aus dem Quellgebiet der Erft herrschte am Donnerstag in Neuss Alarmstimmung. Die Befürchtung: Das Hochwasser erfasst die Quirinus-Stadt.

Kommt sie oder kommt sie nicht? Da die Erft aufgrund der starken Regenfälle, die in Teilen von NRW für Hochwasser gesorgt haben, sehr viel Wasser mit sich führt, wurde am Donnerstag eine Flutwelle befürchtet, die auch Neuss erreicht. Der bange Blick ging daher auf die Pegelstände des Flusses, der im Kreis Euskirchen – alleine dort gab es in Folge des Unwetters bis Donnerstagabend 15 Todesopfer – entspringt, den Rhein-Erft Kreis und schließlich den Rhein-Kreis durchfließt. Die Feuerwehr Neuss hatte daher vier Messtrupps stationiert, die den Fluss seit Donnerstagnachmittag an vier Stationen im Stadtgebiet kontinuierlich im Blick behielten: bei Schloss Reuschenberg, auf Gut Hombroich,  Gut Gnadental und am Bootshaus Minkel. Am Donnerstag gegen 18 Uhr war die Fließgeschwindigkeit der Erft bereits doppelt so hoch wie sonst – und der Pegel 16 Zentimeter höher als noch am Morgen.

Bis in den Abend tagten regelmäßig Krisenstäbe in verschiedener Zusammensetzung. „Wir bereiten uns auf alles vor, wissen aber noch nicht, was auf uns zukommt“, erklärte Kreissprecher Benjamin Josephs nach einer Krisensitzung. Die Stadt Neuss ordnete am Mittag vorsorglich Sicherheitsmaßnahmen an. „Die Pegelstände steigen, es wird erwartet, dass der Peak die Stadtgrenze von Neuss am Nachmittag erreicht“, teilte Stadtsprecher Peter Fischer mit. Doch dieser „erwartete Peak“ verschob sich mehrfach: zunächst auf 20 Uhr, dann auf einen Zeitpunkt gegen Mitternacht. Das alles vor der bangen Frage, ob die Erft die Wassermassen packt.

Neben den Bewohnern von Häusern in Erft-Nähe sollten daher vorsorglich alle, die in der Vergangenheit bereits von Erft-Hochwassern betroffen waren, Schutzmaßnahmen ergreifen. Zudem befürchtete die Stadt, dass auch Bereiche rund um den Norfbach betroffen sein könnten. Der Rat: Häuser sollten vor eintretendem Wasser, sofern dies möglich sei, geschützt, Kellerzugänge und Fenster geschlossen und alles, was nicht nass werden soll, in höher gelegene Stockwerke gebracht werden. Autos sollten zudem nicht nah an der Erft geparkt werden.

Der Kinderbauernhof
quartierte Tiere um

Auch eine Liste mit gefährdeten Bereichen wurde vorgelegt. Sie umfasste die Eppinghovener Mühle, das Reitsportzentrum Gut Neuhöffgen, die Firma Brata, den Linnéplatz, die Gesamtschule an der Erft, den Kinderbauernhof, die Cranachstraße, die Dürerstraße, die Kläranlage-Süd sowie Teile von Erfttal. Der Kinderbauernhof regierte bereits früh und brachte einige Tiere bei einem Landwirt in Grevenbroich-Kapellen in Sicherheit. Dabei handelte es sich um elf Schafe und fünf Ziegen. Zudem wurden 22 Hühner und drei Puten – darunter eine brütende, die samt Nest und Eiern umziehen musste – auf dem Hof selbst in Sicherheit gebracht. Dabei handelte es sich um jene Tiere, die am nächsten an der Erft sind.

An der Kasterstraße war vor der provisorischen Container-Anlage einer Kita der Diakonie Neuss-Süd am frühen Nachmittag reges Treiben zu beobachten: Tische, Stühle und weitere Möbel wurden von kräftigen Männern in zwei 7,5-Tonner verladen. „Wir haben heute Morgen einen Anruf bekommen, dass wir die Container aus Sicherheitsgründen leerräumen müssen“, sagte Vorstand Rainer Küpper. Hilfe habe er unter anderem von der Firma Arndt erhalten, die zwei Fahrzeuge kostenfrei zur Verfügung gestellt habe.

Nur wenige Hundert Meter entfernt auf der Sportanlage Grimlinghausen machte man sich ebenfalls auf das Schlimmste gefasst. Eigentlich hätte dort am Donnerstag der letzte Tag der Ferienaktion „Spaß im Gras“ stattfinden sollen. Doch auf Abschlussfeier und Co. mussten die Kinder verzichten. „Das Jugendamt hat uns Bescheid gegeben, dass Gefahr besteht“, sagt Stephan Eichhorn vom Kontakt Erfttal. Die Kinder seien traurig über die plötzliche Absage gewesen. „Wir mussten dann alle Eltern anrufen“, sagt Alex Rohde vom Kinder- und Jugendzentrum der Malteser in Grimlinghausen. Mit vereinten Kräften bauten die Verantwortlichen am Donnerstag die Anlage inklusive Zelte ab. Bereits am Mittwochabend hatte die Feuerwehr das Gelände wegen der starken Regenfälle räumen müssen.

Am Donnerstag hatte neben der Stadt auch der Kreis nach den massiven Regenfällen insbesondere im Eifeler Quellgebiet der Erft vor einem möglichen Hochwasser gewarnt. „Es existiert die Gefahr der Überschwemmung von Wohn- und Gewerbegebieten in Flussnähe. Zudem kann es im Falle eines Hochwassers auch zu Wasseraustritten aus Kanälen im weiteren Umfeld der Erft kommen“, betonte Kreisdirektor Dirk Brügge. Er appellierte an die Bürger, „vorsorglich in den an der Erft gelegenen Gebieten tiefer gelegene Wohnbereiche zu meiden, Tiefgaragen zu räumen und Wertgegenstände aus Souterrains und Kellern zu entfernen“.