Neuss: Rettung für das Reisezentrum am Hauptbahnhof

Service am Neusser Hauptbahnhof : Kaufmann übernimmt Reisezentrum

Bahnkunden, die im Neusser Bahnhof Informationen suchen, stehen seit Oktober vor geschlossenen Schaltern. Jetzt bahnt sich eine Lösung an.

Es war eine Nachricht, die bei zahlreichen Fahrgästen für Kopfschütteln sorgte: Seit Anfang Oktober ist das Reisezentrum am Neusser Hauptbahnhof dicht. Dabei hatte die Deutsche Bahn eigentlich zuvor mitgeteilt, erst zum Jahreswechsel die bemannten Schalter zu schließen. Der Grund: Ab dem 15. Dezember dieses Jahres übernimmt die Firma Transdev Vertrieb den Verkauf von Nahverkehrstickets an den Bahnhöfen und Schienenpersonen-Nahverkehr-Haltepunkten im VRR.

Doch jetzt gibt es gute Nachrichten für Fahrgäste am Neusser Hauptbahnhof. Denn das Reisezentrum soll zum 1. Januar 2020 wieder öffnen. Betrieben wird es von Dennis Trockenbrodt, ein 35 Jahre alter Kaufmann für Tourismus und Freizeit, der bereits in Lüdenscheid eine DB-Agentur betreibt. Ihm liegt schon ein Vertrag des Vermieters (DB Station & Service) vor. „Für Fahrgäste ändert sich nichts“, sagt Trockenbrodt. So sollen an den neu eröffneten, bemannten Schaltern dieselben Tickets verkauft werden wie früher. „Der einzige Unterschied ist die fehlende Konzernkleidung“, sagt der künftige Betreiber.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigt: „Es gibt sehr konkrete Vertragsverhandlungen. Es wurde zwar noch nichts unterzeichnet, vom Grundsatz her steht einer Einigung aber nichts im Weg.“ Als Vertriebspartner will Trockenbrodt zudem die Stadtwerke ins Boot holen. „Wir sind in enger Abstimmung bezüglich einer möglichen Kooperation. Wir unterstützen die Pläne“, sagt Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer.

Transdev hatte jüngst mitgeteilt, am Neusser Hauptbahnhof nicht nur Ticket-Automaten aufzustellen, sondern auch eine sogenannte Shop-in-Shop-Lösung anzubieten. Fahrkarten können dann künftig in der Relay-Buchhandlung gekauft werden. Auch Informationen, unter anderem zu Fahrzeiten, sollen Fahrgäste dann dort erhalten. Allerdings gibt Trockenbrodt zu bedenken: „Eine Zeitschriftenhandlung ersetzt kein Reisezentrum und erst recht kein professionelles Personal. Die Servicewüste wird bestehen bleiben.“ Zwar wolle er die Mitarbeiter in der Buchhandlung „nicht herabwürdigen“, er sei jedoch aufgrund seiner „jahrelangen Erfahrung fest davon überzeugt, dass ein professioneller, für die Kunden befriedigender Service nicht zwischen Zeitschriften und Zigaretten funktionieren kann“.

Gerne hätte Trockenbrodt bereits zum 1. Dezember eröffnet, die Verhandlungen dauerten allerdings länger als geplant. Seine Entscheidung pro Neuss begründet der 35-Jährige wie folgt. „Der Standort ist mit seiner Nähe zu Düsseldorf sehr attraktiv. Es gibt ein hohes Kundenaufkommen. Ich verstehe nicht, wie man an einem solchen Standort ein Reisezentrum überhaupt schließen kann.“

Nach dem Ärger um die Schließung des Reisezentrums setzt die Deutsche Bahn bis zum Jahresende sogenannte Automaten-Guides ein, die als Ansprechpartner dienen.