Neuss: Nordstadt wird zum Parkplatz für Flugreisende aus Düsseldorf

Kritik von der Wirtschaftsförderung : Flugreisende parken auch in Neuss

Ein Unternehmen bietet Stellflächen in der ehemaligen Schraubenfabrik für Fluggäste an.

Der Parkdruck rund um den Düsseldorfer Flughafen ist so groß, dass die Anbieter von Park-Services bis in die Neusser Nordstadt ausweichen. Drei Gewerbeflächen – zusammen über viereinhalb Hektar groß – werden aktuell ausschließlich dazu genutzt, um Autos von Reisenden abzustellen.

Dass Parken ein Riesengeschäft geworden ist, zeigt alleine eine kurze Suche im Internet, die rund 25 Parkfirmen auswirft, die Flugreisenden vor dem Start ab Düsseldorf ihre Dienste anbieten. Das stört den Flughafen, weil das Parkproblem auch unseriöse Firmen auf den Plan ruft, gegen die sich der Airport nur schwer zur Wehr setzen kann. Dass das Problem auf Neuss überschwappt, passt auch dem Amt für Wirtschaftsförderung nicht. Gerade in Zeiten großer Gewerbeflächen-Knappheit, sagt Amtsleiter Andreas Galland, werde sich die Stadt darum bemühen, solche Flächen für Nutzungen mit einer höheren Wertschöpfung zu gewinnen: „An den Eigentümer einer Fläche an der Osterather Straße sind wir schon zwei Mal mit alternativen Nutzungsvorschlägen herangetreten.“ Beide Male ohne Erfolg.

Die Busfahrt bis zum
Flughafen dauert 20 Minuten

Auf rund 12 000 Quadratmetern Fläche ist dort seit gut 20 Jahren eine Stellplatzanlage für Autos und Lastwagen genehmigt. Aktueller Nutzer ist ein Unternehmen namens „Parken1“, das sich als Partner von „Ich parke billiger.de“ empfiehlt, über diese Internetplattform seine Stellplätze vermarktet und mit „Günstiger parken am Flughafen“ wirbt. Auch wenn der 11,3 Kilometer entfernt ist. „Rund 20 Minuten fährt der Shuttlebus zum Flughafen“, sagt ein Firmensprecher. Ein- und Auschecken können Reisende ihre Fahrzeuge ab 3 Uhr früh bis 1 Uhr nachts, wenn sie sich nicht für die teurere Variante entscheiden und ihr Auto am Flughafen dem Parkdienst übergeben, der für das „Einparken“ eigenes Personal vorhält.

Weil der Parkdruck am Flughafen zur Ferienzeit noch zunehmen wird, hat Parken1 sich jetzt auch die ehemalige Schraubenfabrik gesichert; 24 000 Quadratmeter – aber nur vorübergehen. Denn die Fabrik wird mittelfristig abgerissen und einem Neubaugebiet weichen. Man nehme aber auch Interimslösungen an, sagt der „Parken1“-Sprecher, weil in Düsseldorf keine Flächen mehr genehmigt würden.

Für die Bema-Gruppe, die als Projektentwickler die Schraubenfabrik gekauft und damit andere Plän hat, ist die Parklösung eine Möglichkeit, in der Planungszeit für ihr Neubauvorhaben Geld zu verdienen. Die Parkplätze seien gerade in der Sommerzeit stark frequentiert, sagt Bema-Geschäftsführer Ralph Schneemann, der einen Teil des Brachgeländes an der Leuschstraße (Pierburg alt) an eine Firma namens AirportParkservice.de vermietet hat. Auch die wirbt mit „Exclusiv Parken am Düsseldorfer Flughafen“ – allerdings nur für ein Jahr. „Die Stadt hat diese Zwischennutzung befristet genehmigt, weil erkennbar war“, sagt Galland, „dass vor Ablauf eines Jahres dort keine bauliche Nutzung zu erwarten ist.“

Wer nicht so weit fahren möchte, wird nach Darstellung von Flughafensprecher Christian Hinkel auch am Airport selbst fündig, der 20 000 Stellplätze vorhält. Als Flughafenbetreiber sei man „kartellrechtlich verpflichtet, externe Anbieter an unserem Flughafen vorfahren zu lassen“.

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