Neuss: Mutmaßliches Prügel-Duo ab dem 16. Dezember vor dem Amtsgericht

Brutaler Angriff in Neuss : Prügel-Attacke: Duo vor Gericht

Nach dem brutalen Überfall auf einen 18-Jährigen stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Es ist tief in der Nacht, als sich der 18-Jährige per Telefon mit einem Freund verabredet. Nur ein paar Minuten wohnt er von der Kaarster Straße entfernt. Plötzlich beobachtet der Neusser, der namentlich nicht genannt werden möchte, wie zwei Jugendliche wenige Meter entfernt gegen Autos treten. Er überlegt, die Straßenseite zu wechseln, um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Seine Entscheidung, auf der Straßenseite zu bleiben und schnell an dem Rüpel-Duo vorbeizugehen, sollte weitreichende Folgen für ihn haben.

Auf Höhe der Haltestelle „Backes“ sprechen ihn die Jugendlichen an und fragen nach einem Feuerzeug. „Nein, ich bin Nichtraucher“, sagt der 18-Jährige. Plötzlich spürt er eine Hand am Portmonee in seiner Jackentasche. Als er versucht dagegen vorzugehen, wird das Duo aggressiv. Schläge treffen seinen Kopf, ein Tritt in die Kniekehle zwingt ihn zu Boden, es folgen Tritte gegen den Kopf und in die Rippen. „Ab diesem Moment habe ich einen Blackout“, sagt der junge Mann.

Als er wieder zu sich kommt, merkt er, dass er gewürgt wird und das Blut im Hals seine Atemwege blockiert. „Ich dachte, das war es jetzt“, sagt er. Kurz bevor er erneut das Bewusstsein verliert, erkennt er das weiße T-Shirt eines Freundes, der sofort beginnt, ihn aus dem Würgegriff zu befreien. Ein Nachbar ruft zudem, dass er die Polizei gerufen hat und eilt dem Opfer und seinem Freund mit einem Hund zu Hilfe. Die Täter ergreifen die Flucht. Wenige Minuten später merkt das Opfer, dass ihm sowohl Handy als auch Geld fehlen. Noch in derselben Nacht konnte ein 15-jähriger Tatverdächtiger gestellt werden. Der andere mutmaßliche Täter wurde später im Zuge der weiteren Ermittlungen gefasst.

Ab dem 16. Dezember müssen sich die beiden vor dem Neusser Amtsgericht wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung und Raubes verantworten, wie ein Gerichtssprecher mitteilt. Die Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – wegen des jungen Alters der Angeklagten. Möglicherweise müssen sich die Verdächtigen sogar für weitere mutmaßliche Taten verantworten, denn das Opfer gibt an, dass er als Zeuge in einer Sammelklage gegen die beiden aussagen wird.

Zudem tritt er im beschriebenen Fall als Nebenkläger auf – die Anklagepunkte: Gefährliche Körperverletzung, Raub und Nötigung. Noch heute habe der 18-Jährige mit bleibenden Schäden zu kämpfen, diese seien vor allem psychischer Art. So habe er unter anderem mit Angstzuständen zu kämpfen.

Die Brutalität in diesem Fall ist erschreckend und auch das junge Alter der mutmaßlichen Täter. Wie die Polizei mitteilt, schwanken im Rhein-Kreis Neuss die Zahlen der erfassten minderjährigen Straftäter nur leicht. So waren es im Jahr 2018 insgesamt 160 und im Vorjahr 162 (2016: 161). Um Straftaten vorzubeugen, hält das Kriminalkommissariat Kriminalprävention und Opferschutz Vorträge an Schulen zum Thema Jugendkriminalität, Gewaltkriminalität und auch Cybermobbing. Zudem werden Schüler als „Busbegleiter“ beschult, die in den Schulbussen mitfahren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten verhindern sollen, dass es (unter Mitschülern, Kindern oder Jugendlichen) zu Auseinandersetzungen kommt.

„Speziell geschulte Jugendsachbearbeiter in den Kriminalkommissariaten sind zudem vernetzt mit Jugendämtern, Staatsanwaltschaften, Eltern sowie Schulen und können bei ihrer Ermittlungstätigkeit recht gezielt auf betroffene Jugendliche eingehen, die mitunter auch schon aus früheren Verfahren bekannt sind“, so Polizeisprecherin Daniela Dässel.