Neuss: Mögliche CDU-Bürgermeisterkandidat Jan-Philipp Büchler im Interview

Möglicher CDU-Bürgermeisterkandidat in Neuss : „Ich möchte jetzt gestalten“

Der mögliche CDU-Kandidat für das Bürgermeisteramt spricht über seine Ideen.

Herr Büchler, Sie sind der Wunschkandidat des CDU-Vorsitzenden für das Bürgermeisteramt und mit Ihrer Vorstellung ploppen die Namen weiterer Bewerber auf. Haben Sie das so erwartet?

Jan-Philipp Büchler: Die Namen anderer Parteifreunde waren zum Teil schon länger bekannt. Der Parteivorsitzende hat das Verfahren als noch nicht beendet bezeichnet. Insofern würde es mich nicht wundern, wenn noch weitere Bewerber ihr Interesse signalisieren.

In den sozialen Netzwerken sind die Jusos mit der Fotomontage einer JU-Demo unterwegs: „Brautmeier entscheidet, Ihr nickt ab“. Trifft die Formel das Verfahren?

Büchler: Aus meiner Sicht hat der Parteivorsitzende ein faires, offenes und transparentes Verfahren gewählt, das es so in Neuss noch nicht gegeben hat. Abgenickt wird da gar nichts. Die Mitglieder entscheiden und werden bis dahin genügend Gelegenheit haben, mit allen Bewerbern ausführlich zu sprechen. Die JU plant dazu eine Podiumsdiskussion – und ich habe sofort zugesagt.

Professor ist des Deutschen liebster Titel, und Sie führen ihn schon seit acht Jahren. Warum wollen Sie nicht in Forschung und Lehre damit alt werden?

Büchler: Als anwendungsorientierter Wissenschaftler treiben mich zwei Motive an: Wissensgewinn und junge Menschen zu befähigen. Ich habe genug analysiert und daraus auch politische Handlungsempfehlungen erarbeitet. Für mich ist die Zeit der Empfehlungen vorbei – jetzt möchte ich gestalten.

Sie haben bei der Vorstellung gesagt: Ich war lange weg. Vielleicht zu lange? Wie bringt man sich auch nach Jahren im Ausland daheim schnell wieder ins Gespräch? Gerade wenn die Nominierung schon am 30. September erfolgen soll?

Büchler: Der Faden in meine Heimat ist nie abgerissen. als ich 2016 zurück nach Norf kam, wurde ich sofort wieder eingebunden – in die Kirche, die Partei, den TSV Norf. Das geschah so nahtlos wie selbstverständlich. Jetzt freue ich mich auf intensive Gespräche in allen CDU-Gruppierungen und danach in allen Stadtteilen mit den Menschen vor Ort. Ich habe schon beim Sommerempfang viele Einladungen angenommen und freue mich auf diese Besuche. Ich ticke so: Erst hören, dann denken, dann fühlen – am Ende aber konsequent handeln.

Die CDU arbeitet an einem Wahlkampfprogramm. Wie und mit was wollen Sie sich daran beteiligen?

Büchler: Mich begeistert das breit angelegte Verfahren für die Programmerarbeitung. Ich klinke mich gerne ein. Mein Beitrag kann in der Verbindung dreier großer Themen liegen: Wirtschafts- und Standortentwicklung, Umweltverträglichkeit – und beides im Einklang mit den sozialen Bedürfnissen der Menschen dieser Stadt.

Bürgermeister Breuer macht in der Außendarstellung wenig Fehler. Wie wollen Sie ihn „knacken“?

Büchler: Reiner Breuer ist in der Tat stark in der Außendarstellung. Aber das kaschiert nur, dass seiner Politik Perspektive und Gestaltungskraft fehlen. Bei Reiner Breuer sehe ich vor allem Insellösungen. Die sind für sich genommen nicht immer unsinnig, lassen aber ein gesamthaftes Konzept vermissen.

Neuss verkauft sich unter Wert?

Büchler:  Eindeutig. Breuer möchte Neuss moderner und sozialer machen. Modern heißt aber nur: auf der Höhe der Zeit. Ich möchte Neuss innovativ machen. Ich möchte, dass diese Stadt Entwicklungen nicht folgt, sondern sie anstößt und prägt. Ich möchte Neuss dabei international sichtbarer und sozial integrierter machen.

Wenn aus der Bürgermeisterkanidatur nichts werden sollte: Stünden Sie als Ratskandidat zur Verfügung?

Büchler: Natürlich. Weil ich unsere Heimatstadt gestalten und für die Zukunft fit machen möchte.

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