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Neuss: Kunst-Projekt für Bahnhofsareal geplatzt

Gestaltung des Neusser Bahnhofsareals : Kunstprojekt am Bahnhof scheitert

Markus Ambach wollte das Areal verschönern. Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist beendet.

Für Markus Ambach war es eine negative Überraschung, als er den Brief der Stadt Neuss öffnete. „Es ist eine Enttäuschung“, sagt der Künstler. Worum es geht? Auf Anregung der Anwohner-Initiative Marienviertel wollte sich Ambach mit seinem Künstler-Kollegen Kay von Keitz in die geplante Neugestaltung des Bahnhofsareals inklusive dem Gelände der ehemaligen Schraubenfabrik einbringen. In dem Gestaltungsprozess sollten Kultur, Stadtplanung, Architekten, Politik und Menschen, die im Quartier leben, zusammengebracht werden. Doch noch vor der Gestaltung sah das Projekt vor, die „DNA“ des Viertels zu ermitteln und eine aufwendige Recherche zu betreiben. Mit 11 000 Euro hat Ambach diesen ersten Projektschritt beziffert. „Über ein Jahr haben wir positive Signale von der Stadt bekommen. Es gab mehrere Treffen. Wir haben sehr viel Zeit investiert“, sagt Ambach.

Nun erhielt der Künstler – Gründer von MAP (Markus Ambach Projekte) – jedoch die Absage der Stadt für das Recherche-Projekt. „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass auch nach Rücksprache mit dem Kulturamt der Bedarf für Ihre angebotene Recherche zum Thema Kunst und Kultur bei der Neusser Innenstadtentwicklung aktuell nicht gesehen wird“, heißt es in dem Schreiben von Christoph Hölters, Beigeordneter für Planung, Bau und Verkehr. Hölters betont, dass die Absage nur für die geplante Recherche-Maßnahme gilt. „Das, was Herr Ambach vorgeschlagen hat, ist eine Bestandsaufnahme von kulturrelevanten Einrichtungen im Hauptbahnhofsumfeld. Das haben wir über das integrierte Handlungskonzept aber bereits gemacht“, so Hölters. In einem späteren Schritt mit Ambach und Co. ein Künstler-Projekt auf dem Areal umzusetzen, sei keineswegs ausgeschlossen. „Wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten, es gibt keinen Dissens“, so Hölters.

Doch dafür muss sich die Stadt wohl nun einen anderen Partner suchen. „In dieser Form machen wir das nicht mit. Die Recherche ist für unser Projekt unumgänglich“, sagt Ambach. Und auch Andreas Alberts, der als Vorsitzender der Anwohner-Initiative Marienviertel die Treffen mit organisierte, betont: „Unter diesen Voraussetzungen sind wir raus.“

Was die Künstler besonders ärgert: „Wir hatten bereits einen Sponsor, der die Hälfte des ersten Projektschrittes finanziert hätte, wenn die Stadt als Auftraggeber aufgetreten wäre.“ Laut Ambach handelt es sich dabei um die Düsseldorfer Bema-Gruppe, die das Bauer-&-Schaurte-Areal gekauft hat. Deren Geschäftsführer Ralph Schneemann bestätigt: „Wir sind nicht desinteressiert an Kunst im öffentlichen Raum und wären bereit, einen Teil eines solchen Projektes mit zu finanzieren – wer auch immer es umsetzt.“ Er fügt hinzu: „Aktuell wird jedoch an verschiedenen Strippen gezogen. Daran haben wir kein Interesse, ein roter Faden muss erkennbar sein.“

Schneemann spielt damit auf den ehemaligen Landrat Dieter Patt an, der einen Ansatz sieht, das Bauer-&-Schaurte-Gelände künstlerisch aufzuwerten. „Das könnte eine Stele sein, die an der Zufuhrstraße vor dem Bürogebäude platziert wird und an den beliebten Bürger und Politiker Hermann-Josef Dusend erinnert. Das könnte die lange Fabrikmauer Further Straße sein, die sich von selbst für eine künstlerische Gestaltung anbietet. Ob farblich aufgelockert oder mit Kunstwerken aus verschiedenen Materialien versehen – alles ist offen“, hatte Patt jüngst mitgeteilt.