Sorgen wegen Corona-Krise Flüchtlingshilfe Neusser Süden fordert eine Umverteilung

Neuss · In der Unterkunft an der Stresemannallee sollen maximal 300 Menschen leben, meint die Flüchtlingshilfe. Derzeit sind es 746.

 Das Land hat die verschiedenen Gebäude als Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge angemietet.

Das Land hat die verschiedenen Gebäude als Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge angemietet.

Foto: Andreas Woitschützke

. In der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) an der Stresemannallee leben derzeit 746 Menschen (Stand Mittwoch). Das bedeutet eine Auslastung von rund 75 Prozent. Diese Zahl findet die Flüchtlingshilfe Neusser Süden in Anbetracht der aktuellen Corona-Gefahr zu hoch – und fordert deshalb eine Umverteilung der geflüchteten Menschen. Maximal 300 Personen sollen nur noch an der Stresemannallee nahe der Rennbahn untergebracht werden, vorzugsweise Kinder und ihre Eltern beziehungsweise Begleiter. Weitere könnten entweder in anderen Einrichtungen des Landes oder in kommunalen Heimen unterkommen. Um den Wunsch nach einer „Entzerrung“ der Gefahrensituation zu bekräftigen, plant die Initiative für kommenden Freitag eine Demonstration in der Nähe der ZUE, wie Koordinator Stephan Thönnessen ankündigt.

Die Flüchtlingshilfe fordert darüber hinaus, dass die Unterkunft in kommunale Trägerschaft übergehen soll. Dieses Vorhaben hält Sozialdezernent Ralf Hörsken allerdings für unrealistisch: „Es handelt sich um eine Einrichtung des Landes, also muss das Land auch Lösungen finden.“ Allein aus rechtlicher Sicht – und auch aufgrund des langen Mietvertags des Landes mit dem Bauverein über 25 Jahre – wäre eine kommunale Übernahme der Einrichtung kaum möglich. Die hohe Auslastung der ZUE sieht Hörsken jedoch ebenfalls kritisch – und verweist auf das Konzept der Stadt Neuss. So habe sich die Entscheidung, die Übergangswohnheime nicht voll auszulasten (es gibt 394 Plätze in diesen Wohnheimen, davon sind 209 belegt), als richtig erwiesen, vor allem mit Blick auf die aktuelle Corona-Krise.

In den Einrichtungen
wurden Gruppen gebildet

Kritisch sieht der Neusser Sozialdezernent auch den Schritt der Landesregierung, andere Zentrale Unterbringungseinrichtungen zu schließen – zum Beispiel in Niederkrüchten (Kreis Viersen) – und dadurch für eine höhere Auslastung in anderen Städten zu sorgen. In den städtischen Übergangswohnheimen seien der Schutz und die medizinische Versorgung der Bewohner gesichert. Sozialarbeiter – ausgerüstet mit entsprechender Schutzkleidung – seien im stetigen Austausch mit den Menschen, um unter anderem Aufklärungsaurbeit zu leisten.

Aber welche Schutz- und Hygienemaßnahmen werden in einer Einrichtung getroffen, in der bis zu 1000 Menschen leben, die zum Großteil in Mehrbettzimmern untergebracht sind? Wie eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf mitteilt, werden sämtliche neuankommenden Besucher einem medizinischen Kurzcheck, insbesondere einer Fiebermessung, unterzogen. Das Freizeitangebot, insbesondere wenn es in geschlossenen Räumen und größeren Gruppen stattfindet, sei umfassend eingeschränkt worden. Besuche in den Einrichtungen der Bezirksregierung Düsseldorf wurden grundsätzlich untersagt. Darüber hinaus würden in den einzelnen Einrichtungen Gruppen/Kohorten gebildet, um das Risiko einer möglichen Infektion so gering wie möglich zu halten.

Die Bewohner seien dahingehend sensibilisiert worden, die Einrichtung nicht zu verlassen, um eine Ansteckungsgefahr zu minimieren. Das gruppenweise Verlassen der Einrichtung wurde „komplett untersagt“. Neben Desinfektionsmittel sei die Einrichtung zudem auch mit verschiedenen Schutzmaterialen ausgestattet. Als Präventimaßnahme werden unter anderem auch Handdesinfektions-Übungen für Mitarbeiter genannt. „Die medizinische Versorgung wird durch eine in der Sanitätsstation der ZUE Neuss durchgeführte Sprechstunde sichergestellt, die abwechselnd von insgesamt fünf Ärzten abgehalten wird“, so die Sprecherin.

Um bei Bedarf eine gesonderte Unterbringung von gesunden ebenso wie infizierten Personen oder Verdachtsfällen, aber insbesondere von Personen mit besonderem Schutzbedarf zu ermöglichen, erhöht die Landesregierung temporär die vorhandenen Platzkapazitäten. So macht die Bezirksregierung vorsorglich die Standby-Einrichtung in der ehemaligen Helios-Klinik in Wuppertal bezugsfertig. In der Standby-Einrichtung in Weeze werden ab Anfang/Mitte Mai dieses Jahres 750 Betten zur Verfügung stehen, weitere 1000 Betten werden bis zum 1. Mai dieses Jahres auf dem Gelände des ehemaligen Hauptquartiers der Britischen Streitkräfte (JHQ) in Mönchengladbach aufgebaut.

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