Theaterstück im Rheinischen Landestheater in Neuss König Lear als „alter weißer Mann“

Neuss · Auch im Rheinischen Landestheater stehen die Zeichen auf Shakespeare.

Der Narr (Antonia Schirmeister), Goneril (Nelly Politt), König Lear (Stefan Schleue) und Regan (Katrin Hauptmann) auf der Bühne.

Der Narr (Antonia Schirmeister), Goneril (Nelly Politt), König Lear (Stefan Schleue) und Regan (Katrin Hauptmann) auf der Bühne.

Foto: Marco Piecuch

(ubg) König Lear versteht die Welt nicht mehr. Einiges ist im Umbruch – und das macht ihm zu schaffen. Er entschließt sich, zurückzutreten und seine Macht gleichmäßig auf seine drei Töchter aufzuteilen. Vorher sollen sie ihm jedoch ihre Verbundenheit zum Ausdruck bringen: Während zwei sich mit blumigen Worten überbieten, lehnt die dritte Tochter ab und wird von ihrem gekränkten Vater verbannt.

Zeitgenössische Überarbeitung von Thomas Melle

Wenn am Samstag, 11. Mai, das Stück „König Lear“ im Rheinischen Landestheater seine Premiere feiert, dann handelt es sich um eine zeitgenössische Überarbeitung des Gegenwartsdramatikers Thomas Melle. Das heißt jedoch nicht, dass das Stück nun in der Gegenwart spielt. Die modernen Anpassungen seien subtiler, sie betreffen sowohl die Sprache, als auch die „gedankliche Setzung“, wie Olivier Garofalo, der für die Dramaturgie zuständig ist, und Stefan Schleue, der in die Rolle des Königs schlüpft, betonen. Denn im Zentrum des Stückes, das Tom Gerber für das RLT inszenieren wird, steht der Machtdiskurs, verbunden mit der Frage: „Wie kann es gelingen, aus überholten Machtstrukturen herauszukommen?“ Dabei werde auch ein feministischer Blick eingenommen.

Typisch für Melle ist es laut Olivier Garofalo auch, dass er kleine Änderungen vornimmt: So agieren die Frauen bei ihm eigenständig und sind nicht bloß „die Frau von..:“ Doch als die beiden Schwestern an der Macht sind und das alte, patriarchale System ihres Vaters ersetzen, verfallen sie in alte Muster. „Melle stellt die Frage, ob es reicht, nur die Figuren auszutauschen, ohne die Regeln zu ändern“, sagt Garofalo. Und genau das mache das Stück seiner Meinung nach so modern: „Oft besteht der Wunsch, etwas zu verändern, doch die Umsetzung scheitert. Warum ist das eigentlich so?“ König Lear nimmt dabei die Position des „alten, weißen Mannes“ ein. Er findet sich in der Welt nicht mehr zurecht, allerdings nicht, weil er unter Demenz leidet, sondern weil er die neuen Gegebenheiten nicht versteht, so Schleue. Er glaubt, alles richtig zu machen, doch kommt aus seinen Denkmustern nicht heraus.

„Klingt alles sehr pädagogisch,
ist es aber nicht“

Ob sie sich im Laufe des Stückes noch einstellen werden? Das wird eine Überraschung bleiben. Generell bleiben Fragen und Probleme in einem Spannungsfeld. „Das klingt nun alles sehr pädagogisch, aber genau das ist das Stück nicht“, sagt Garofalo. Auch wolle es nicht moralisieren. An Melle schätzt er außerdem, dass er einen schnellen Zugang liefert – und das sei bei den verworrenen Shakespeare-Stücken nicht selbstverständlich. Für die Premiere am Samstag, 11. Mai, 20 Uhr gibt es noch Karten. Sie können auf der Website des RLT bestellt werden oder an der Theaterkasse unter: 02131/26 9933.

(ubg)