Neuss ist Wüste für Caravan-Halter

Neuss ist Wüste für Caravan-Halter

Derzeit ist Neuss alles andere als wohnwagenfreundlich. Die FDP will das ändern — und bringt Stellplätze ins Gespräch.

Neuss. Der Titel des Buches ist mittlerweile eine Einladung, die nicht mehr einzuhalten ist. „Mit dem Reisemobil nach Neuss“, steht auf dem Cover geschrieben. Der kleine Führer, dessen erste Auflage im Jahr 2003 erschien und von Hubert Kügler verfasst wurde, zeigt verschiedene Park- und Stellplätze im Stadtgebiet auf. Unter anderem an der Galopprennbahn und an der Skihalle. 15 Jahre später ist Neuss eine Wüste für Reisemobil-Besitzer. „Eigentlich haben wir keinen einzigen offiziellen Stellplatz mehr“, sagt Jürgen Sturm, Geschäftsführer von Neuss Marketing.

Im morgigen Ausschuss für Wirtschafts- und Liegenschaftsangelegenheiten möchte die FDP deshalb einen Prüfungsantrag platzieren. In diesem wird die Verwaltung unter anderem beauftragt zu evaluieren, welches touristische Potenzial solche Stellplätze für die Stadt Neuss haben könnten. Zudem sollen mögliche Flächen ausgelotet werden. Als Vorschlag nennen die Liberalen das Gebiet entlang des Rheins von Grimlinghausen bis Südbrücke/Kardinal-Frings-Brücke.

„Die Branche erfährt eine Renaissance. Das kann auch für Neuss nicht uninteressant sein“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Manfred Bodewig. Doch Reisemobil-Besitzer wünschen sich oft eine Nähe zur Innenstadt. Darum schlägt Bodewig vor, langfristig den Aspekt Caravan-Stellplätze in die Entwicklung des Hammfelds bis hin zu Höffner mit einfließen zu lassen. Und zwar inklusive ÖPNV-Anbindung. Bereits in der Vergangenheit setzte sich die FDP dafür ein, „aber dadurch, dass man es doppelt vorschlägt, wird es nicht schlechter“, sagt Bodewig schmunzelnd, der nicht mit erheblichem Gegenwind von den anderen Fraktionen rechnet.

Gegenwind gibt es auch nicht von Jürgen Sturm. „Wir halten das durchaus für sinnvoll. Es wäre gut, wenn wir da ein Angebot hätten“, sagt der Marketing-Experte. Schließlich müsse man Reisemobil-Besitzer aktuell stets auf die Stellplätze in Meerbusch oder Dormagen verweisen. Verschenktes touristisches Potenzial also. Laut Sturm seien mehrere Standorte in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern in der Prüfung. Welche genau? Das möchte Sturm noch nicht verraten, lässt jedoch durchschimmern, dass die geplanten Probeplätze ohne kostenintensive Ver- und Entsorgungsstationen realisiert werden. „Wir müssen ja zunächst schauen, wie es angenommen wird“, sagt der Geschäftsführer von Neuss Marketing, der jedoch gleich zu bedenken gibt, dass Stellplätze im Bereich der Innenstadt nur schwierig zu verwirklichen seien. Die Neusser Liberalen begründet ihren Antrag damit, dass sich kaum eine Tourismussparte in den vergangenen Jahren derart rasant entwickelt habe wie der Bereich Caravan/Reisemobile. 35.135 Neuzulassungen im Jahr 2016 bedeuteten ein Plus von 23,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Hans Mietzen, der ehemalige Geschäftsführer der früheren Neusser Tagungs- und Tourismus GmbH, hatte sich zu seiner aktiven Zeit für den Erhalt beziehungsweise für zusätzliche Stellplätze eingesetzt. „Das ist im Laufe der Jahre jedoch eingeschlafen. Auch weil politisch andere Prioritäten gesetzt wurden“, sagt Hans Mietzen, der angibt, „mit dem Herzen dabei“ gewesen zu sein, weil er selbst passionierter Reisemobil-Besitzer ist. Wenn die Bemühungen fruchten, kann er die möglichen neuen Stellplätze in Neuss also gleich selbst testen.