Neusser Firma gibt sich als Fehlerquelle zu erkennen : Sirenenalarm: Fehler bei Walter Rau

Obwohl bereits vor Wochen die Sirenen der Firma am Hafen auslösten, hat das Unternehmen erst jetzt reagiert.

Mehr als drei Wochen nach einem rätselhaften Sirenen-Alarm ist die Geräuschquelle identifiziert. Es war keine der bislang vier städtischen Sirenen, die am Abend des 17. November, einem Sonntag, viele Neusser besorgt aufhorchen ließen, sondern das Warnsystem der Walter Rau AG im Hafen. Der Hersteller von Ölen und Fetten spricht von einer technischen Störung, deren Ursache noch nicht ermittelt ist. „Auch ein unbefugtes Auslösen der Sirene durch Dritte, die über eine geheime Funkfrequenz angesteuert wird, ist nicht auszuschließen“, hält Unternehmenssprecherin Svenja Gärtner in einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung fest.

Zur Frage, warum die Firma erst drei Wochen nach dem Störfall an die Öffentlichkeit geht, macht das Unternehmen keine Angaben. Für eine Nachfrage war niemand zu erreichen. Dafür liefert der Konzern nun mit großem zeitlichem Verzug eine Entwarnung nach: „Zu keinem Zeitpunkt bestand eine Gefährdungslage für die Bevölkerung und die Mitarbeiter“, heißt es in dem Schreiben. Und: „Das Unternehmen bittet die Anwohner, die nächtliche Ruhestörung zu entschuldigen.“

Katastrophenschutz-App
gab Entwarnung

Am Abend des Zwischenfalls selbst hatten die Warnlaute, die von 20.42 bis 21.50 Uhr zu hören waren, nicht nur viele Neusser aufgeschreckt, sondern eine hektische Betriebsamkeit bei der Polizei und in der Feuerwehr-Leitstelle ausgelöst. Beide bemühten sich, die Ursache zu lokalisieren und den Alarm zu deaktivieren. Als klar war, dass kein Katastrophenfall vorliegen kann, gaben sie per Kurznachrichtendienst und über die Katastrophenschutz-App NINA Entwarnung.

Auch nach dem Einsatz ging die Fehlersuche weiter. Vorsichtshalber nahm die Stadt Neuss sogar für eine Woche ihre vier Sirenen manuell vom Netz. Von diesen habe keine einzige ausgelöst, sagt Stadt-Pressesprecherin Nicole Bungert. Der Aktivitätenschreiber, eine Art elektronisches Logbuch, habe nichts dergleichen registriert. Letzter Eintrag dort war der Alarm am Warntag Anfang September, als in ganz Nordrhein-Westfalen Sirenen beim Probealarm erklangen.

Die Sirenen auf dem Werksareal, von denen nach Behördenangaben drei zur Mitarbeiter-Warnung installiert sind, waren für die Behörden auch deshalb schwer als Fehlerquelle auszumachen, weil sie, wie Reinhold Jung betont, „nicht in das Alarmierungssystem des Kreises eingebunden sind“. Sie werden deshalb auch nicht über die Leitstelle gesteuert. Deren Technik sei ebenfalls untersucht worden, Hinweise auf ein ausgesendetes Aktivierungssignal wurden nicht gefunden. „Fehlersuche abgeschlossen“, sagt Hans-Joachim Klein vom Kreis-Ordnungsamt.