Neuss: Durch Vereinsarbeit kommen Langzeitarbeitslose zurück in den Job

Pilotprojekt in Neuss : Langzeitarbeitsloser jobbt bei SG Erftal: „Ich blühe auf“

„Vereine unterstützen Menschen in Arbeit“ ist der Titel einer Qualifizierungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose.

Seinen letzten Gehalts-Scheck hat Fachlagerist und Servicefahrer Raffaele Giannini (41) vor fast 15 Jahren bekommen. Seitdem dreht er sich im ewig scheinenden Kreislauf von Bewerbungen (auf die er selten Antwort bekommt und nie positive) und Qualifizierungsmaßnahmen – Alltag eines Langzeitarbeitslosen. Nun hat sich die Tür zu einem anderen Leben einen kleinen Spalt geöffnet. „Ich blühe richtig auf“, sagt Giannini – nach nur vier Monaten bei der SG Erfttal.

Dazu ist der Dormagener über das Programm „Vereine unterstützen Menschen in Arbeit“ gekommen, das Yasar Calik mit seinem Team vom „Fachinstitut für Verkehr und Weiterbildung“ entwickelt hat. Die Idee: Langzeitarbeitslose arbeiten stundenweise bei Sportvereinen und bekommen so wieder Ordnung in den Alltag, etwas Hoffnungund eine Aufgabe.

Stadtsportverband soll Lotsenfunktion übernehmen

Montag wird Calik das inzwischen zertifizierte Arbeitstraining, das Ginannini als erster durchlaufen konnte, Verantwortlichen im Jobcenter vorstellen. Spricht sich der Anfangserfolg aus Erfttal herum, schicken die Fallmanager vielleicht mehr Langzeitarbeitslose zu den Vereinen. Parallel verhandelt Calik mit dem Stadtsportverband (SSV), der eine Art Lotsenfunktion Richtung Vereine übernehmen soll. Die Vereinbarung sei noch nicht unterzeichnet, sagt SSV-Geschäftsführer Gösta Müller, doch er glaubt, dass auch der Sport von dem Programm profitiert. Das beschränkt sich auf Vereine, die eigene Sportanlagen unterhalten oder Verantwortung für eine städtischen Anlage übernommen haben und froh sind, auf diesem Weg Unterstützung zu bekommen.

In der viermonatigen Projektphase werden die Teilnehmer weiter gecoacht. Jugendtrainer Peter Gummersbach, der auf der Platzanlage neben Heinz Hübinger Ansprechpartner und „Auftraggeber“ ist, fände es gut, wenn Giannini seine Projektzeit verlängert bekommt. Und falls nicht, würde er ihn als ehrenamtlichen Helfer einbinden: „Wir würden ihn bei Interesse auch auf einen Trainer- oder Jugendleiterlehrgang schicken.“ Das wäre aber nur ein Nebeneffekt. Ein wenig hofft Calik, dass seine Klienten über die Vereinsarbeit in Netzwerke kommen, die ihnen vielleicht eine Tür zum Job öffnen.

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