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Neuss: Die Schönheit in einer künstlich gewordenen Natur

Neuss: Die Schönheit in einer künstlich gewordenen Natur

Altana-Kunststiftung in der Langen Foundation

Neuss. Etwas Schöneres als eine Schau "An die Natur" mitten im Frühling der Niederrhein-Landschaft möchte man sich kaum vorstellen. Doch die Vorstellung trügt, wie die 60 Werke der Altana-Kunstsammlung in der Langen Foundation beweisen. Die Natur ist nicht mehr das, was sich Romantiker darunter vorstellten.

Wie vieles, was der Mensch in dieser Welt verändert, ist sie dem Nutzen unterworfen. Sie lässt die Vögel nicht mehr fliegen, wie sie wollen, und die Bäume nicht mehr wachsen, so dass sie sich dem Himmel nähern. Künstler verweisen mit ihren Arbeiten auf die künstlich gewordene Natur.

Ein gutes Beispiel gibt die Kölnerin Saskia Niehaus. Sie baut einen Vogel aus Drahtgeflecht, Pappmaché und Kleister, der im Begriff ist, wegzufliegen, aber dies niemals schaffen wird. Hilflos steht er auf einem Podest, den Schnabel aufgerissen. Doch hinter ihm tut sich in einem Kissenbild von Gotthard Graubner die Farbe in einer Fülle und Lichthaltigkeit auf, als hätten wir das Paradies auf Erden. Aus dieser Spannung zwischen Schönheit und Katastrophe ergibt sich eine faszinierende Ausstellung.

Thomas Rehberger, Designer, Poet und Humorist, wickelt Klebeband um den Draht und befestigt darauf fliederfarbene Papier-Blumen. Ärmlicher, trauriger und doch auch bunter kann ein Geäst kaum sein als in seiner Installation. Der Frankfurter Künstler bringt Schönheit und Vergänglichkeit ins Spiel. Auf dem kunstvoll in poppigen Farben beklebten Papp-Boden liegen Reste von Papierblumen, als sei die blühende Pracht schon verwelkt.

Vielleicht ist Giuseppe Penone, Altmeister der Arte Povera, der "Armen Kunst" also, einer der letzten Gläubigen, die auf die Energie des Natürlichen setzen. Er rubbelt grüne, saftige Blätter auf ein Baumwolltuch, das er zuvor um die borkige Rinde eines Stammes gewickelt hat.

Durch die Frottage dringt die Gerbsäure aus den Blättern und der harzige Saft aus der Rinde in die Baumwolle. Aus beidem ergibt sich die Struktur des Bildes. Außerdem gießt Penone ein Blatt in Bronze ab und appliziert es auf den Stoff. Wie ein Herz pulsiert es nun inmitten der Kunst, als belebe es die Komposition.

Wäre noch die Foto-Serie von Axel Hütte zu nennen. Der Künstler zeigt Spiegelungen von Bäumen und Wolken im Wasser. Wir Betrachter können die Motive nicht orten, sie entführen uns in einen "Elfenweiher", wo das Flüchtige und das Erdenschwere einander begegnen. Das Unbeachtete erhält seine Schönheit zurück.

“Die Altana Kunstsammlung mit derzeit rund 650 Werken besteht seit 2000 und wird ständig erweitert. Die Ausstellung ist bis 5.September zu sehen, täglich von 10 bis 18 Uhr.