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Neuss: Die Lage in den Krankenhäuser entspannt sich

NRW : Die Corona-Lage entspannt sich

Während der dritten Welle der Pandemie liefen Ärzte, Pfleger und Intensivkapazitäten am Limit. Doch dank sinkender Infektionszahlen beruhigt sich die Lage in den Krankenhäusern. Was das für den Krankenhausalltag bedeutet.

 Die Corona-Infektionszahlen sinken kontinuierlich, die Menschen kehren zu ihrem früheren Alltag zurück und auch auf den Intensivstationen der Krankenhäuser im Rhein-Kreis entspannt sich die Lage. Nur noch sieben Covid-Patienten befanden sich dem Intensivregister zufolge am Mittwoch in intensivmedizinischer Behandlung, drei wurden invasiv beatmet.

„Wir spüren eine Erleichterung, auch auf der Intensivstation“, sagt der Geschäftsführer des Johanna-Etienne-Krankenhauses aus Neuss, Paul Kudlich. „Die Belastung des Personals durch den Aufwand, etwa die Schutzkleidung an den Covid-19-Isolationszimmern korrekt an- und auszuziehen, und die weiteren damit verbundenen Hygienemaßnahmen, hat abgenommen.“ Ulla Dahmen, Sprechern der Rheinland-Kliniken, pflichtet bei: „Gott sei Dank gehen die Zahlen zurück, wir haben im Lukaskrankenhaus in Neuss noch sieben Corona-Patienten, drei auf der
Intensivstation.“

Doch beim Blick auf die Auslastung der Intensivstationen zeichnet das Intensivregister für den Rhein-Kreis ein anderes Bild der Lage. Zwar beläuft sich der Anteil der Corona-Patienten nur noch auf acht Prozent, aber 84 der 89 Intensivbetten werden nunmehr als belegt ausgegeben. Das sind mehr als inmitten der dritten Welle im April.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Zahlreiche Operationen, die zuletzt aufgrund der eingelieferten Corona-Patienten verschoben wurden, werden nun nachgeholt, so heißt es aus dem „Etienne“. Und das sorge eben dafür, dass Intensivbetten kurzzeitig belegt werden, wie Kudlich erklärt: „Nach einer Operation kann es routinemäßig notwendig werden, dass die Patienten zur Überwachung zunächst auf der Intensivstation liegen.“

Die Kapazitäten sind ähnlich stark ausgelastet, der Arbeitsdruck aber habe bedeutend abgenommen habe, Betten würden nach Operationen wieder schneller frei, sagt Dahmen, „vor allem aber ist die Belegung planbar“. 

Über Monate hatten die OP-Pflegekräfte des Lukaskrankenhauses auf der Intensivstation ausgeholfen, denn nur die sind neben den Intensivpflegekräften für eine entsprechende Behandlung ausgebildet. „Nun sind wieder alle OP-Säle in Betrieb“, sagt Dahmen.

Lockerungen gelten in den drei Rheinland-Kliniken für Besucher. War es bisher möglich, ab dem sechsten Tag Angehörige oder Freunde zu besuchen, ist nun ein Besucher pro Tag mit einem negativen Corona-Test erlaubt.

Im Johanna-Etienne-Krankenhaus wurde der Corona-Isolationsbereich, in dem Patienten versorgt werden, die noch nicht auf intensivmedizinische Betreuung angewiesen sind, auf die Hälfte der Zimmer reduziert: „Es gibt weniger Isolationszimmer, auch der Schleusvorgang ist ein anderer“, sagt Kudlich. Vom Lukaskrankenhaus heißt es, es gebe nur noch einzelne isolierte Zimmer auf der Infektionsstation, die nun gemischt belegt werde.

„Es stellt sich aktuell ein Stück mehr Normalität ein und die allgemeine Stimmung im Haus wird besser“, findet Kudlich. Auch dadurch, dass sowohl im „Lukas“ als auch im „Etienne“ Ärzte wie Pfleger mittlerweile zweifach geimpft wurden. Dahmen betont aber: „Wir bleiben wachsam, Corona ist noch nicht vorbei.“ Zudem hätten die Pflegekräfte harte Monate hinter sich, so einfach könne man die nicht abschütteln, sagt Dahmen. „Sie haben wochenlang um das Leben von Patienten gekämpft. Das nimmt einen mit – körperlich wie
mental.“

Sollten die Infektionszahlen im Herbst wieder in die Höhe schnellen, weil die Delta-Variante um sich greift, könnten die Kapazitäten schnell wieder erhöht werden, versichern die Kliniken. Sie sind froh, dass sie die aufgebauten Notintensivbetten bisher nicht nutzen mussten.