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Neuss: Coronavirus verunsichert Gastronomen

Einbußen wegen Angst vor Virus : Coronavirus in Neuss: Gastronomen verunsichert

Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist auch im Rhein-Kreis Neuss groß. Das spüren Gastronomen und Veranstalter.

Die Zahl der Corona-Verdachtsfälle im Rhein-Kreis ist über das Wochenende von 83 leicht auf 78 Betroffene gesunken. Davon waren 15 in Neuss registriert. Ein Norfer gilt nach wie vor als einziger positiv getesteter Krankheitsfall.

Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus ist spürbar – auch in der Gastronomie. „Wir haben eine fehlende Frequentierung von etwa 20 Prozent“, sagt Karl Kehrmann, Pächter des Brauhauses „Im Dom“. Seit dem ersten Corona-Fall in NRW seien deutlich weniger Gäste gekommen. 82 Prozent der Gastro-Betriebe in NRW sind von Umsatzeinbußen betroffen. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes NRW (Dehoga).

In der „Flotten Theke“ spüre man derzeit noch keine Auswirkungen auf den Umsatz, sagt Inhaber Ralph Heinz. „Wir rechnen kurzfristig eher mit mehr Gästen, die bei uns Fußball schauen.“ Grund ist das Publikumsverbot in Fußballstadien, das ab sofort gilt. Mittelfristig rechnet er allerdings mit einem Rückgang des Umsatzes. „Das wird auf jeden Fall kommen“, sagt Heinz. „Wir haben weniger Kundschaft, die Straßen sind leerer“, sagt auch Michael Mylord, Inhaber des Vogthauses und Vorsitzender der „Interessengemeinschaft Neusser Innenstadt Gastronomie“ (INIG).

Der Betrieb läuft derzeit normal weiter. Die Gastronomen setzen auf Vorsichtsmaßnahmen: So seien Angestellte der Flotten Theke und des Vogthauses angewiesen, auf Körperkontakt mit Gästen, wie Händeschütteln und Umarmen, zu verzichten und sich öfter die Hände zu waschen. Ralph Heinz hat zudem Desinfektionsmittelspender im Eingangsbereich der „Flotten Theke“ anbringen lassen. „Mehr können wir jetzt gerade nicht tun“, sagt Heinz.

Abiparade und zugehöriges Festival sollen stattfinden

Für eine Entwarnung vor dem Coronavirus besteht kein Anlass. Im Gegenteil. In Neuss sind daher am Montag die Vorbereitungen weiter vorangetrieben worden, damit das am Nordbad vorgesehene „Test-Center-Corona“ (TTC) am Mittwoch seinen Betrieb aufnehmen kann. „Das scheint zu klappen“, sagt Pressesprecher Peter Fischer.

Doch die zur Eindämmung des Virus nötigen Maßnahmen beunruhigen zunehmend Veranstalter und Gastronomen. Für Dienstag wird im Rathaus wie auch in der Kreisverwaltung mit einem Erlass des Landes gerechnet, der den Umgang mit Großveranstaltungen regelt. Hintergrund ist der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der am Wochenende angeregt hat, Events mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen oder zu verschieben. Dieser Erlass würde eine neue Rechtsgrundlage bilden, auf der zum Beispiel über die nachzuholenden Karnevalsumzüge zu entscheiden wäre. Vorerst aber bleibt es nach Fischers Darstellung dabei, dass die endgültige Entscheidung über den „Kappeszug II“ mit dem Karnevalsausschuss am 18. März getroffen wird.

Jürgen Sturm von Neuss-Marketing hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falles vergangene Woche fünf Absagen von Veranstaltungen in Stadthalle und Zeughaus hinnehmen müssen. Dabei ist es aber bislang geblieben, heißt es aus dem Rathaus.

Die jährliche Abiparade und das zugehörige Festival auf der Galopprennbahn werden nach derzeitigem Entwicklungsstand hingegen stattfinden. „Aktuell haben wir von den Behörden noch keine Absage erhalten“, sagt Veranstalter Christopher Diel. Die Planung für das Event am 3. April laufe wie gewohnt weiter. Falls eine Absage komme, werde das Event auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr
verschoben.

Auch die Neusser Lokalrunde am Montag, 6. April, finde statt, sagt INIG-Vorsitzender Michael Mylord. „Es bleibt aber abzuwarten, wie sich das entwickelt.“