Neuss: Clemens-Sels-Museum - vier Götter für den Wein

Neuss: Clemens-Sels-Museum - vier Götter für den Wein

Die Römer revolutionierten die germanische Küche. Aber wer hätte gedacht, dass sie dafür auch zu Kochbüchern griffen?

Neuss. Mediterrane Speisen am Niederrhein? "Die Mittelmeer-Küche gab es schon vor 2000 Jahren. Mit den Römern gelangte eine Fülle neuer Lebensmittel ins Land, die die Küche der heimischen Germanen revolutionierte", sagt Historiker und Archäologe Carl Pause.

Über die römische Küche und ihre Einflüsse klärt die Ausstellung "Grenzenlose Gaumenfreuden" auf, die noch bis zum nächsten Januar im Clemens-Sels-Museum zu sehen ist. Besucher erfahren, dass die meisten der heute verwendeten Kulturpflanzen und Gewürze erst mit den Römern in den Norden gekommen sind.

Mit den neuen Zutaten brachten die Südländer aber zusätzlich eine ausgefeilte Koch- und Esskultur mit, wie sich unter anderem an den ersten erhaltenen Kochbüchern zeigt, die aus dieser Zeit stammen. "Eine auf den Feinschmecker Apicius zurückgehende Rezeptsammlung enthält Anleitungen zu etwa 500 verschiedenen Gerichten", erläutert Pause. Charakteristisches Merkmal der Küche sei die häufige Verwendung von Pesto gewesen - angemischte Kräuterpasten, die zum Schluss auf die gegarten Speisen gestrichen wurden. "So blieb das Aroma frischer und lebendiger."

Die Mahlzeiten dienten den Römern nicht nur zum satt werden. Das Essen war ein gesellschaftliches Ereignis und für die Pflege und Knüpfung geschäftlicher sowie sozialer Kontakte von großer Bedeutung.

Die Gastgeber versuchten, sich von ihrer besten Seite zu zeigen: Sie tischten alles auf, was die Küche hergab - vom edelsten Geschirr bis hin zu delikaten Speisen. Funde von Austernschalen aus Römerstädten wie Neuss oder Köln zeugen von den opulenten Gastmahlen. Und auch damals gehörte zum guten Essen ein leckerer Wein: "Die Römer waren große Weinliebhaber und -kenner. Einen guten Tropfen ließen sie sich schon einiges kosten", sagt Pause.

Zwar wurde Wein auch am Rhein und an der Mosel angebaut, doch schwere Südweine aus Frankreich, Spanien und Italien wurden bevorzugt. Die Qualität dürfte überzeugend gewesen sein. Denn mit Bacchus, Dionysos, Liber Pater und Silenos verehrten die Römer gleich vier Weingötter, die den Winzern zur Seite stehen sollten - einmalig in der Religionsgeschichte.

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